KREUZERVERHÖR: Volker Heissmann x Karl-Heinz Schmidt

KREUZERVERHÖR
Volker Heissmann x Karl-Heinz Schmidt

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e.V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Grüner Brauhaus!
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Karl-Heinz Schmidt: Wie bist du eigentlich damals zur Comödie gekommen?

Volker Heißmann: Im Saal des alten Berolzheimerianums habe ich als Bub einen meiner ersten Auftritte gehabt. Ich hab’ später immer gesagt, dass ich diesen wunderschönen Saal renovieren würde, falls ich mal im Lotto gewinne. Im Lotto gewonnen habe ich nicht. Den Umbau, der damals vor 20 Jahren vier Millionen Mark gekostet hat, haben wir zu viert dank eines Kredites nahezu ohne Sicherheiten unsererseits trotzdem hin bekommen – Martin Rassau, Michael Urban, Marcel Gasde und ich.

Karl-Heinz Schmidt: Was wäre denn gewesen wenn das nicht geklappt hätte?

Volker Heißmann: Dann hätte es sein können, dass ich außer Schulden nichts mehr habe. All unsere Ersparnisse und noch viel mehr haben wir in das Projekt gesteckt. Deswegen bin ich immer sehr demütig wenn ich dich sehe. Du hast trotz deines Lebensschicksaals dein Lachen und deinen Mut nicht verloren. Und du hast immer ein freundliches Wort für die Leute, auch wenn sie nichts kaufen.

Karl-Heinz Schmidt: Weißt du, was mich fast täglich zum Lachen bringt? Die Leute dort, wo ich verkaufe. Neulich war da ein Mädchen, ziemlich jung, aber schon ganz schön aufgetakelt. Die hatte einen Rock an. Der Wind, der uns schon mächtig zu schaffen machte, sorgte dafür, dass sie stinksauer wurde, weil kaum mehr was an ihr so aussah, wie sie es sich wahrscheinlich morgens überlegt hatte

Volker Heißmann: Du bist also eher der Beobachter?

Karl-Heinz Schmidt: Naja, man verkauft ja nicht die Welt am Tag. Die meiste Zeit kannst du schon schauen, was um dich rum passiert

Volker Heißmann: Mir fällt da auch gerade eine Geschichte ein, die wir neulich zusammen erlebt haben, als ich bei dir auf ein Schwätzchen gestanden bin: Kommt eine Frau aus dem Müller, voll mit Tüten bepackt. Du bist ja eher abwartend, wenn du jemanden nicht kennst. Sie hat aber deinen Blick gesehen und gesagt: „Ey, kann nix kaufen, hab’ kein Geld einstecken“. Das war wie im Sketch.

Karl-Heinz Schmidt: Na, da muss man ja lachen, was soll man sonst tun?

Volker Heißmann: Das ist genau die Situationskomik, die mich auch zum Lachen bringt.

Karl-Heinz Schmidt: Böse bin ich aber keinem, wenn er nichts kaufen will.

Volker Heißmann: Das mag ich so an dir. Und das ist was, das einem hier in Fürth eh häufig begegnet. Die Leute sind geradeheraus und ehrlich. Wenn einer nix kaufen will, sagt er es halt, böse ist man ihm trotzdem nicht. Und wenn es wirklich drauf ankommt, sind wir Fürther wahnsinnig hilfsbereit und halten zusammen!

Der Komödiant, Schauspieler, Sänger und Thea­terdirektor Volker Heißmann, Jahrgang 1969, ist gebürtiger Fürther und lebt sehr gerne hier. Groß geworden ist er in der St. Pauls­Gemeinde, sei­ne Kantorin hat ihm dort Singen und Musizieren (Klavier, Orgel, Trompete, Posaune) beigebracht. Ebenfalls mit vollem Herzen ist er seit letztem Jahr Vizepräsident der Spielvereinigung Greuther Fürth und nimmt auch Karl­Heinz Schmidt hin und wie­der mit zu einem Spiel. Die beiden kennen sich.

Karl-Heinz Schmidt wurde 1956 in Fürth geboren und ist mit Leib und Seele hier verwurzelt. Seit 2007 verkauft er den Straßenkreuzer in der Fürther Fußgängermeile vor dem Müller (Schwabacher Straße). Davor hatte er unter anderem als Möbel­packer, Heizungsbauer und Installateur gearbeitet und, bis sein Kreuz nicht mehr mitgemacht hat, halb Europa gesehen. Alleine in Paris war er vier­mal und hat viele gute Erinnerungen an die Stadt der Liebe.

☞23.5.

Es darf gelacht und gekauft werden: Am Donnerstag, den 23. Mai von 11 bis 12 Uhr  werden Volker Heißmann und Karl-Heinz Schmidt gemeinsam vor dem Müller-Markt an der Schwabacher Str. 28-30 in Fürth den Straßenkreuzer anbieten – gute Stimmung inklusive.

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de

KREUZERVERHÖR: Gunter Pawlick x Barbara & Wolfgang Berner

KREUZERVERHÖR
Gunter Pawlick x Barbara & Wolfgang Berner

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch promi-nente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unter-schiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Lasertag Actionpark!
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Wolfgang Berner: Schon spannend, wie Du aussiehst. Wie oft wirst Du mit Bruce Willis verwechselt?

Gunther Pawlick: So ziemlich täglich. Am letzten Wochenende war ich das erste Mal in einer neuen Bar in der Altstadt und hab die Leute immer wieder über mich reden und spekulieren gehört. Barbara Berner:

Barbara Berner: Nervt Dich das?

Gunther Pawlick: Manchmal ja, manchmal nicht. Insgesamt habe ich mich daran gewöhnt und höre ganz gerne zu was da so geredet wird. Das ist ja manchmal auch richtig amüsant.

Wolfgang Berner: Kriegt man als Promi-Double eigentlich auch mal was spendiert?

Gunther Pawlick: Zumindest ist mein Aussehen kein Nachteil. In manchen Diskos kommt man schon umsonst rein oder wird mal in einen Festival-VIP-Bereich eingeladen.

Wolfgang Berner: Okay, Bruce, dann erzähl mal: Was macht der Job? Sind neue Actionfilme geplant? Du hast doch zuletzt im gefeierten zweiten Teils des Nürnberger Kult-Films „Macho Man“ mitgespielt. [Lautes Lachen allerseits]

Gunther Pawlick: Das liegt auf Eis zurzeit. Ich mache eher so kleinere Sachen und nähere mich ob meines Alters an das Thema „Opa-Rollen“ an – wie der echte Bruce Willis auch. Ihr seid richtig große Fans von ihm, oder? Wie viele Filme habt ihr denn schon gesehen?

Barbara Berner: Wir stehen auf Actionfilme. Neben welchen mit Bruce Willis schauen wir gerne welche mit Steven Seagal, Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone. Aber wenn Weihnachten ist, schauen wir uns gerne was Romantisches an, wie die Sissi-Filme. Jetzt wäre dann wieder Zeit für mehr Action im Programm.

Gunther Pawlick: Was würdet ihr denn gerne mal Actionreiches machen? Worauf hättet ihr mal richtig Lust?

Wolfgang Berner: In den Tiergarten gehen. Da macht man zwar selbst keine Action, kann sich aber viel Action anschauen. Nachdem wir beide nicht mehr die Jüngsten sind und auch nicht mehr so sportlich und gesund wie früher, müssen wir uns die Kräfte einteilen. Ein Tag Straßenkreuzer verkaufen ist vor allem im Winter wenn es kalt ist ganz schön anstrengend. Auch wenn man inzwischen alle kennt und mal von einem Stammgast einen Kaffee spendiert bekommt.

Gunther Pawlick: Der Tiergarten ist ganz schön teuer geworden inzwischen, oder?

Wolfgang Berner: Stimmt. Das ist ja nicht nur der Eintritt, sondern auch das, was der Tag drinnen so kostet, wenn man vielleicht auch mal eine Pause machen, einen Kaffee trinken oder ein Eis essen möchte. Wir würden gerne mal wieder rein gehen und den verschiedenen Tieren zuschauen. Bist du auch gern im Tiergarten?

Gunther Pawlick: Ich war als Kind fast jedes Wochenende im Tier-garten, weil meine Eltern da in der Nähe gewohnt haben. Ich glaube das reicht für ein ganzes Lebens …

Wolfgang Berner: Wie ist es bei Dir mit der Action? Findest Du genug davon in Nürnberg?

Gunther Pawlick: Ich bin ja ein recht gemütlicher Mensch. Insgesamt könnte es schon besser sein, aber auch schlechter. Aber hier wird so vieles reglementiert, was ich wirklich sehr schade finde. Um 22 Uhr oder um 23 Uhr klappt man die Gehsteige hoch. Die Polizei steht im Sommer um 23 Uhr bei meinem Lieblingsitaliener und misst dann teilweise mit dem Meterstab nach, ob die Leute nicht zu weit draußen sitzen. Das sind aber die Anwohner, die Polizei kann da eigentlich nichts dafür. Mitten in der Stadt wohnen und sich darüber beschweren, dass was los ist – ich finde, das wird hier immer mehr zu einem Problem.

Gunther Pawlick ist 51 Jahre alt und in Nürnberg aufgrund seiner Ähnlichkeit zum Actionstar bekannt als Bruce Willis – was durchaus Vorteile hat: Manchmal lässt sich der Nürnberger auf einen Drink einladen oder genießt freien Eintritt in die Disko. Manchmal nervt die ständige Verwechslerei aber auch. Dann geht es zum Beispiel zum Lieblingsitaliener mitten in der Altstadt, wo ihn jeder als Gunther kennt und schätzt – und wo er im Sommer gerne auch mal länger als bis 23 Uhr draußen sitzen bleiben würde.
Barbara und Wolfgang Berner sind in etwa so alt wie Gunther Pawlick, seit 15 Jahren verheiratet und leben seit Mitte der 1980er Jahre (sie) beziehungsweise seit Anfang der Nullerjahre (er) in Nürnberg. Hierher gekommen sind sie damals vor allem des Jobs wegen. Gearbeitet haben sie beide schon in vielen verschiedenen Berufen, zum Beispiel als Küchenhilfe, Reinigungskraft, Hausmeister oder Maler. Den Straßenkreuzer verkaufen sie seit einigen Jahren gemeinsam am Leipziger Platz, direkt zwischen Bäcker und Bank.

☞25.4.

Barbara und Wolfgang Berner machen am 25. April von 15 bis 16 Uhr Action vor dem Bäcker am Leipiziger Platz. Fotos mit “Bruce” und/oder den Berners dürfen gerne gemacht werden.

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de

KREUZERVERHÖR: Dr. Julia Lehner x Steve Zeuner

KREUZERVERHÖR
Dr. Julia Lehner x Steve Zeuner

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unter- schiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Bürgermeisteramt!
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Prof Dr. Julia Lehner: Ich kaufe den Straßenkreuzer immer, oft sogar mehrere Exemplare, die ich dann weiterverschenke. Trotzdem komme ich mir irgendwie dabei schlecht vor, an einem Verkäufer vorbeizulaufen, ohne noch einen zu kaufen. Dann entschuldige ich mich dafür mit „Dieses Mal nicht, das nächste Mal wieder.“ Es ist doch bestimmt manchmal frustrierend, wenn man merkt, dass es nicht so geht wie man meint. Wie gehen Sie damit um?

Steve Zeuner: Ganz locker. Schauen Sie, das ist ja das Gleiche wie wenn ich in ein Geschäft gehe und zu Hause schon drei Flaschen Wasser habe. Dann kaufe ich mir ja auch nicht noch eine vierte Flasche dazu.

Prof Dr. Julia Lehner: Lesen Sie den Straßenkreuzer selbst auch?

Steve Zeuner: Ja natürlich. Man muss ja wissen, was man verkauft. Ich blättere ihn mindestens einmal in Ruhe durch.

Prof Dr. Julia Lehner: Ich komme durch meinen Beruf ein bisschen herum, bin zum Beispiel oft in München oder in anderen deutschen Städten. Da gibt es ja auch Sozialmagazine. Wenn ich an einem Verkäufer vorbeilaufe, bin ich immer ein wenig stolz auf unseren Straßenkreuzer.

Steve Zeuner: Ja, da sind wir sehr gut aufgestellt. Jetzt möchte ich Sie auch was fragen: Gehört der Straßenkreuzer für Sie auch zur Kultur der Stadt Nürnberg?

Prof Dr. Julia Lehner: Unbedingt. Die Kultur ist ein breites Feld. Kommunikation gehört auch zur Kultur. Der Straßenkreuzer ist ein Teil der Kommunikation. Auf der einen Seite erfährt man im Straßenkreuzer mehr über die Gesellschaft und Teile der Gesellschaft. Auf der anderen Seite kommt man in den Austausch mit den Verkäufern – auch dieser Dialog ist ein Teil unserer Kultur, und ich halte ihn sogar für einen sehr wichtigen. Es ist einerseits ein ehrenamtliches, andererseits ein soziales Engagement, weil man die Menschen näher zueinander bringt. Das ist Kultur aus reinstem Herzen.

Steve Zeuner: Wie ordnen Sie die Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe in Nürnberg ein und wie könnte man sie für arme Menschen noch verbessern?

Prof Dr. Julia Lehner: Mir geht es prinzipiell darum, dass man in Nürnberg allen Menschen das Gefühl gibt, willkommen in der Kultur zu sein. Dafür gibt es unsere Großveranstaltungen wie das Barden- treffen, das Klassik Open Air oder die Blaue Nacht. Die kann man auch ohne Karte besuchen, selbstbestimmt flanieren und sich die Dinge anschauen. Diese Veranstaltungen sollen aber auch „Appetitanreger“ sein, die Menschen dazu bringen, in ein Konzert zu gehen. Dafür gibt es wiederum Vergünstigungen wie zum Beispiel durch den „Nürnberg-Pass“, der bei einer Vielzahl von Anbietern und Einrichtungen einen stark vergünstigten Eintritt garantiert. Darüber hinaus gibt es das „KulturTicket Nürnberg“, das kostenfreie Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen vermittelt. Hierzu muss man sich lediglich in der Kulturinformation in der Königsstraße 93 unter Vorlage des Nürnberg-Passes registrieren lassen. Nach telefonischem Rückruf können Sie, Ihrem Interessensgebiet entsprechend, Karten für eine Veranstaltung erhalten. Sofern möglich, und das ist eine zusätzliche Leistung, können Sie kostenfrei eine Begleitperson mitbringen. Ich wünsche mir, dass sich dieses Angebot, von dem ich glaube, dass es viele noch gar nicht kennen, besser herumspricht.

Steve Zeuner: Stellen Sie sich vor, Sie haben nur noch fünf Euro in der Tasche, wollen etwas essen, etwas trinken und irgendetwas Kulturelles erleben. Wie sieht Ihr Tag aus?

Prof Dr. Julia Lehner: Wenn ich mit fünf Euro unterwegs bin, werde ich zuallererst daran denken, dass ich essen und trinken muss. Kultur ist ja ganz breit zu sehen und Plätze in der Stadt, öffentliche Plätze, sind ja frei zugänglich. Ich würde einen dieser Plätze, zum Beispiel meinen Lieblingsplatz an der Burgfreiung aufsuchen und die Atmosphäre genießen. Ich würde mir die Kunstschätze in einer der Kirchen oder eine Ausstellung in einem unserer Kulturläden ansehen. Was machen Sie in Ihrer Freizeit gerne?

Steve Zeuner: Ich verreise sehr gerne. Letztes Wochenende war ich in Frankfurt, bin erst gestern wiedergekommen. Ich bin generell gerne viel unterwegs, gehe, wenn es das Geld erlaubt, gerne in Museen oder ins Theater. Neulich war ich am Plärrer im Theater Salz & Pfeffer, im Puppentheater. Das war sehr schön.

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Seit 15 Jahren ist Prof Dr. Julia Lehner die Kulturreferentin ihrer Geburtsstadt Nürnberg. „Zugleich weitläufig und überschaubar lässt sich die Geschichte dieser Stadt, von der Renaissance bis zur Auseinandersetzung mit unserer Erinnerungskultur atmen.“ Ihr Lieblingsplatz ist seit ihrer frühen Jugend die Burg: Da liegt einem mehr oder weniger die gesamte Perspektive zu Füßen und man kann nach allen Himmelsrichtungen sehen.

Der gebürtige Saalfelder Steve Zeuner reiste 1997 nach einem Besuch bei der Berliner Love Parade spontan nach Nürnberg, um sich ein neues Leben aufbauen. Das hat er geschafft. Neben seiner Tätigkeit als Verkäufer des Sozialmagazins engagiert sich Steve als Verkäufer- Sprecher und übernimmt dabei viel Verantwortung. Außerdem macht er für den Straßenkreuzer Führungen durch soziale Einrichtungen wie die Wärmestube und die Heilsarmee. Seine Lieblingsplätze in der Stadt sind die Burg, der Stadtpark und das Doku-Zentrum.

☞5.7.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Weil der ursprünglich geplante Termin im März nicht stattfinden konnte, hat sich Prof. Dr. Julia Lehner darum bemüht, einen Ersatz zu finden – und freut sich, unseren Verkäufersprecher Steve Zeuner am Freitag, 5. Juli von 10-11 Uhr beim Verkauf am Koberger Platz unterstützen zu können. Und auf Ihren Besuch mit allen neugierigen Fragen!

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de

KREUZERVERHÖR: Pius Maria Cüppers x Brigitte Krasnici

KREUZERVERHÖR
Pius Maria Cüppers x Brigitte Krasnici‌

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Schauspielhaus!
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Brigitte Krasnici: Zauberer und Schauspieler, das klingt recht lustig. Was haben Sie denn als Hobby, wenn Sie sonst immer Spaß machen?

Pius Maria Cüppers: Mein Zweitberuf ist ja die Zauberkunst, das ist eigentlich Hobby und Beruf in einem. Und die Schauspielerei ist auch mehr als ein Beruf. Es ist eigentlich eine Berufung. Wir haben gestern eine Komödie gespielt und die Zuschauer haben sehr, sehr gelacht. Das ist für mich das Schönste, wenn ich die Menschen berühren und zum Lachen bringen kann. Abgesehen davon habe ich letztes Wochenende Weihnachtsplätzchen gebacken und mich dabei in den Finger geschnitten. Mich würde interessieren, was Sie hierher verschlagen hat?

Brigitte Krasnici: Ich war vorher verheiratet, wir haben uns – auch, weil mein Mann spielsüchtig war – scheiden lassen, dann aber wieder zusammen gefunden. Wegen ihm bin ich dann nach Nürnberg gezogen, denn mein Mann war der Straßenkreuzer-Verkäufer Reinhard Semtner. Er ist vor ein paar Jahren verstorben.

Pius Maria Cüppers: Wie sind Ihre Erfahrungen als Straßenkreuzer- Verkäuferin?

Brigitte Krasnici: Ich beobachte viel die Menschen, die am Bahnhof vorbei laufen, und denke manchmal, wie gut ich es trotz allem noch habe. Ich habe einen ordentlichen Haushalt und achte auf mich. Viele Leute gehen einfach vorbei und bemerken mich nicht. Geholfen hat es mir, Musik anzumachen, moderne Musik, um die Jugend anzulocken. Die soll ja auch mal ein bisschen nachdenken. Es geht nicht jedem so gut. Wenn ich sehe, wie die gegenüber zum Subway gehen und sich da ordentlich einen rein hauen. Da kostet der Basic Sandwich schon 4 Euro. Und dann haben sie noch ihre Extrawünsche und landen bei 7 Euro. Da frage ich mich schon, wie gut es der Jugend eigentlich geht?

Pius Maria Cüppers: Man macht sich als Jugendlicher vielleicht nicht so viele Gedanken und denkt, die Rente erreiche ich eh nie.

Brigitte Krasnici: Wir waren glaube ich genauso. Wo gehen Sie denn besonders gerne essen?

Pius Maria Cüppers: Was ich so toll finde an Nürnberg, ist, dass es für jede Richtung von griechisch über japanisch bis französisch und natürlich fränkisch ein tolles Lokal gibt. In Düsseldorf war das nicht so einfach. Da gibt es die Königsallee, die ist so ein wenig schickimicki, und die Altstadt, da ist es zu touristisch. Nürnberg ist da viel besser. Die schöne Biergartenatmosphäre hier, die gibt es im Rheinland auch nicht so. Was essen Sie denn besonders gerne?

Brigitte Krasnici: Schäufele. Ich hab immer gesagt, Schäufele ist in Nürnberg das wo man nichts falsch machen kann. Das kriegen alle so hin wie es sich gehört. Was halten Sie eigentlich vom Straßenkreuzer?

Pius Maria Cüppers: Ich finde das ist eine tolle Zeitschrift, ein gut gemachtes Blatt. Wenn ich in drei Jahren in Rente gehe und müsste, würde ich auch Straßenkreuzer verkaufen.

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Vor 17 Jahren kam Brigitte Krasnici aus der Magdeburger Gegend nach Nürnberg. Vor allem am Stadtpark hat die 69-Jährige schnell Gefallen gefunden. Mit dem
Verkauf des Straßenkreuzers bessert sie ihre Rente auf. Fast täglich findet man sie ab dem späten Vormittag am Eingang zur Königstorpassage am Hauptbahnhof.

Pius Maria Cüppers ist 62 Jahre alt, Kammerschauspieler und wurde 1997 Weltmeister im Comedy-Zaubern. Der gebürtige Düsseldorfer ist Schauspieler am Staatstheater und wird dort bis zu seiner Rente Theater spielen. Gerne geht er ins Kino – am liebsten aber gut essen. In dieser Spielzeit ist er unter anderem in der „Komödie mit Banküberfall“, einem „Unfug à la Monty Python“, und beim Nürnberger Liederabend „Die Musik war schuld“ zu sehen.

☞18.1.

Pius Maria Cüppers verkauft auch schon vor seiner Rente den Straßenkreuzer – zusammen mit Brigitte Krasnici. Finden und besuchen Sie die beiden gerne am Freitag, 18. Januar zwischen 15 und 17 Uhr am Hauptbahnhof, Ausgang Königstorpassage. Ob er zaubern wird? Lassen Sie sich überraschen!

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de

KREUZERVERHÖR: Patrick Reimer x Sami Karatas

KREUZERVERHÖR
Patrick Reimer x Sami Karatas

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab in der Arena!
Kreuzerverhör Patrick Reimer x Sami Karatas KLEIN

Sami Karatas: Hat der Herr Reimer eine Familie?

Patrick Reimer: Der Herr Reimer ist der Patrick zuerst mal.

Sami Karatas (lacht): Ok. Ist der Patrick verheiratet und hat Kinder?

Patrick Reimer: Ich hab eine Frau, die auch aus der Heimat im Unterallgäu kommt, aber noch keine Kinder. Das ist aber geplant. Seit 13 Jahren begleitet sie mich von Standort zu Standort, wo ich gerade spiele. Bevor wir nach Nürnberg gekommen sind, waren wir einige Jahre in Düsseldorf.

Sami Karatas: Wie lange spielt der Patrick schon Eishockey?

Patrick Reimer: Ich habe mit drei Jahren das Schlittschuhlaufen gelernt, mit vier Jahren stand ich zum ersten Mal mit einer Mannschaft auf dem Eis. Der ältere von meinen beiden Brüdern hat auch Eishockey gespielt, dem wollte ich unbedingt nacheifern damals. Das ist aber jetzt wirklich schon lange her.

Sami Karatas: Also bist Du quasi seit 32 Jahren auf dem Eis?

Patrick Reimer: Ja genau. Und jetzt im fünfzehnten Jahr in der ersten Liga. Das ist schon eine gewisse Zeit. Aber sag mal, jetzt Du. Was war der Grund, dass Du nach Deutschland gekommen bist?

Sami Karatas: Meine Eltern sind 1972 nach Deutschland emigriert. Ich bin aber zuerst mit meiner Schwester zusammen bei Verwandten in der Türkei geblieben, auch weil wir einfach noch sehr klein waren. Meine Mutter wollte uns eigentlich gleich mitnehmen, aber mein Papa hat sich damals durchgesetzt mit seinem Wunsch, dass wir bleiben sollten. Sieben Jahre später war es dann aber soweit.

Patrick Reimer: Hast Du selbst Familie?

Sami Karatas: Ich war mal verheiratet, bin geschieden und Vater von drei Jungs, die zwischen 20 und 26 Jahre alt sind und bei der Mutter leben.

Patrick Reimer: Hast Du da noch Kontakt?

Sami Karatas: Ja, aber nicht so viel, um ehrlich zu sein. Der eine studiert noch, der andere hat schon ausgelernt und arbeitet, der dritte ist in Ausbildung. Sie leben in Ansbach.

Patrick Reimer: Interessierst Du Dich überhaupt für Sport?

Sami Karatas: Früher habe ich selbst viel Sport gemacht, Fitness und Taekwondo – sogar bis zum grünen Gürtel. Fußball habe ich auch gespielt, aber ich durfte nicht in dieselbe Mannschaft wie meine ganzen Freunde damals, weil ich ein Jahr zu alt für deren Altersklasse war. Dann habe ich das halt wieder sein gelassen … Was geht Dir eigentlich so durch den Kopf, wenn Du daran denkst, dass wir beide im Februar Straßenkreuzer verkaufen?

Patrick Reimer: Geil! Ich bin gespannt darauf, wie ein Tag beim Sami ausschaut. Ich will da auch nicht nur eine halbe Stunde für ein Foto dabei sein, sondern tatsächlich auch miterleben, wie das über einen längeren Zeitraum ist. Ich frage mich zum Beispiel, wie man mit der ständigen Ignoranz umgeht, die man als Straßenkreuzer-Verkäufer erlebt. Erzähl mal, wie schaut das aus bei Dir, wenn Du verkaufst?

Sami Karatas: Ich komme an meinen Platz, baue meinen Stand auf, so dass alles gut sichtbar ist und schön ausschaut. Ein, zwei Hefte halte ich meistens in der Hand. Und ich lächle die Passanten an. Das finde ich wichtig. Manchmal entwickelt sich so auch ein Gespräch oder ich werde gefragt, was der Straßenkreuzer überhaupt ist. Wenn ich abends im Bahnhof verkaufe, da ist es dann manchmal ganz schön krass mit den ganzen Junkies und Alkoholikern. Das macht mich traurig, diese Menschen so leiden zu sehen..

Kreuzerverhör Patrick Reimer x Sami Karatas 1 KLEIN

Seit fast sieben Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Allgäuer Patrick Reimer (36) in Nürnberg. Schön und praktisch: die Mixtur aus großstädtischem und heimeligem Ambiente. Sein Lieblingsplatz ist – natürlich – das Eisstadion. Hier verbringt der Torschützenkönig, „Spieler des Jahres der DEL“ und Silbermedaillengewinner der Olympischen Winterspiele 2018 die meiste Zeit mit seinen Kollegen und Freunden von den Nürnberg Ice Tigers und hat an seiner Berufsausübung auch nach all den Jahren vor allem eines: Spaß.

Der 48-jährige Sami Karatas ist in der Türkei geboren und Ende der 1970er nach Ansbach gekommen. Vor fünf Jahren zog er nach Nürnberg, weil er etwas mehr Großstadt um sich herum haben wollte. Straßenkreuzer- Verkäufer ist er seit drei Jahren, man findet ihn von Donnerstag bis Samstag tagsüber bei der Lorenzkirche, abends verkauft er im Hauptbahnhof weiter, wo mehr los ist. In seiner Freizeit geht er zum Abschalten gerne mal am Dutzendteich spazieren, am Wochenende findet man ihn in der Altstadt immer wieder auf der Suche nach Schwätzchen und guter Gesellschaft.

☞23.2.

Wie so ein Tag als Straßenkreuzer-Verkäufer aussieht, wird Patrick Reimer bald persönlich erleben dürfen: Am Samstag, 23. Februar von 14-16 Uhr betritt der Profi eine andere Arena und assistiert Sami Karatas beim Verkauf an der Lorenzkirche (Pfannenschmiedsgasse). Ob er Zeit haben wird, „Gretzkys Büro“ und „Bauerntrick“ zu erklären? Finden Sie’s raus! 

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de