Straßenkreuzer Uni: Was die Nazis vorhatten (Nachbericht)

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„Diese Maßstäbe sind nicht mehr menschlich“, sagt Eckart Dietzfelbinger (Bild Mitte). Die Kongresshalle am Dutzendteich sollte – nach dem Willen der Nationalsozialisten – doppelt so groß werden wie das Kolosseum in Rom. Die 24 Hörer der Straßenkreuzer Uni, die in strahlendem Sonnenschein inmitten der nie fertiggestellten Ruine stehen, staunen. Die Monumentalbauten – das geplante „Deutsche Stadion“ sollte rund 400.000 Besucher fassen – hätten ein Mehrfaches der deutschen Jahresproduktion an Granit verschlungen. Also kauften die Nazis – unter Albert Speer – in ganz Europa Steinbrüche auf und bauten Konzentrationslager nebenan… In Nürnberg, das damals nationalsozialistische Hochburg war, freilich wurden solche Steine nicht verbaut: Hier feierten die Nazis ihre Reichsparteitage, hier sollte „ein Ort des Jubels und der Propaganda“ entstehen. Die Bauten am Dutzendteich, zu denen auch die Zeppelintribüne und die Große Straße zählen, zeugen davon. „Bloß: Steine reden nicht“, sagt der Politologe. Deshalb versucht das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das 2001 eröffnet wurde, das Bewusstsein von mehr als 200.000 Besuchern jährlich zu schärfen. „Pädagogik geht nicht mit Zeigefinger und Moral“, ist Eckehard Dieztfelbinger überzeugt. „Meine Hoffnung ist, dass von 1000 Besuchern einer einen Gedankenanstoß bekommt und resistent wird gegen den heutigen Blödsinn und rechte Ideen.“

 

[gk]