Straßenkreuzer Uni: Die unauffälligen Gastarbeiter (Nachbericht)

Ganz so einfach war es nicht. „Wir haben damals Rassismus erlebt“, erinnert sich Antonio Fernandez, der mit zwölf Jahren nach Deutschland gebracht wurde. Denn seine Eltern kamen als Gastarbeiter, hatten aber beispielsweise bei der Wohnungssuche Probleme. Dabei gilt die Integration der Spanier – in der Rückschau – als gelungen. 1960 kamen die ersten, Mitte der 1970er die letzten. Alle erhielten viel Unterstützung: Gewerkschaften und Wohlfahrtsorganisationen boten Beratung an, der Rundfunk sendete täglich eine Stunde in der Muttersprache. In den Betrieben – ob Bosch, Siemens, AEG, Quelle oder Triumpf Adler – waren ihre Arbeitskraft begehrt, erinnert sich der frühere IG Metall-Bevollmächtigte Gerd Lobodda vor 14 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Karl-Bröger-Zentrum. „Viele waren Facharbeiter, sie kannten Disziplin, waren zuverlässig und loyal.“

Anders als andere Ausländer. Lobodda wie auch Fernandez sehen Integration heute skeptisch: Unterschiedliche Kulturen, Bildungsniveaus und oft wenig Bereitschaft, in unsere Gesellschaft hineinzuwachsen. Dennoch plädieren beide für eine offene und vorurteilslose Begegnung. „Die Hand geben, Geduld haben und wahrnehmen, dass es Unterschiede gibt“, sagt Gerd Lobodda (im Bild rechts)  und rät, „mit Fragen, nicht mit Behauptungen“ auf Menschen zuzugehen. Antonio Fernandez (im Bild links), der bis vor kurzem die Spanier in Deutschland vertreten hat, Vorsitzender des Centro Espanol und Stadtrat in Nürnberg ist, sagt: „Es gibt nichts Schlimmeres als Nationalismus. Wir sollten einander mit Respekt und Toleranz begegnen.“

 

[gk]

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