Straßenkreuzer Uni: Die Morde der NSU (Nachbericht)

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„Wegschicken kannst du ihn nicht.“ Das war der erste Gedanke von Alexander Seifert, als ihn der Sohn von Ismail Yasar um rechtlichen Beistand bat. Der junge Mann war gerade 15 Jahre,  so alt wie Seiferts Sohn, als sein Vater vom NSU ermordet wurde. Seit 2013 nun vertritt der Rechtsanwalt das Opfer in der Nebenklage, seine Kanzlei entsendet zu jedem Verhandlungstag – bisher über 365 – einen Anwalt zum Prozess in München. Warum der NSU auch in Nürnberg drei türkische Geschäftsleute mordete, wie die Taten aufgedeckt wurden und was im Prozess passiert – all das erfahren 38 Hörer der Straßenkreuzer Uni im Caritas-Pirckheimer-Haus. Aus juristischer Sicht von Alexander Seifert, aus journalistischer Sicht von Lorenz Bomhard. Er war zu Beginn der Anschlagsserie Polizeireporter bei den Nürnberger Nachrichten und begleitet die Tatserie und ihre Aufklärung seither. Er schildert das umstrittene Vorgehen der Polizei, die organisierte Kriminalität vermutete und Angehörige verdächtigte, aber auch die eigene Scham, als die rechte Terrorzelle 2011 endlich aufflog. Hätte man nicht darauf kommen müssen? Umso wichtiger, sagen beide, sei die Aufarbeitung. „Der Prozess hat extreme Bedeutung, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit“, sagt Alexander Seifert. „Es ist wichtig, dass dieses Unrecht aufgeklärt wird und die Täter nicht mit barbarischer, aber mit rechtsstaatlicher Härte bestraft werden.“ Mit dem Urteil dürfe der Fall aber nicht abgeschlossen sein, sagt Lorenz Bomhard. Gerade in Nürnberg. „Die Täter des NSU müssen Helfer in der Stadt gehabt haben, die Tipps gaben, und vielleicht auch finanzielle Unterstützung.“

 

[gk]