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Verrückt – oder was?

uni041213

Verrücktsein ist nicht das Problem, sagt Michael Wörthmüller. Zum Problem wird es erst in Verbindung mit Straftaten.

Immer dann, wenn sich Gerichte mit der Schuld(un)fähigkeit eines Verdächtigenbeschäftigen, ist der Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie in Erlangen als Gutachter gefragt.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Frage „Ist jemand so krank, dass er nicht mehr gewusst hat, was er tut?“ Immerhin: ein Prozent der Bevölkerung hierzulande hat eine schwere psychische Krankheit, etwa jeder Fünfte hat im Lauf seines Lebens eine seelische Krise.

Wie erkennen forensische Psychiater eine Erkrankung? Dafür gebe es klare Kriterien, sagt Michael Wörthmüller vor 41 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Karl-Bröger-Zentrum, und die Gutachter nähmen sich für Gespräche viel Zeit. In der Regel vier bis fünf Stunden. Ein komplettes Gutachten von 50 Seiten zu erstellen, dauert 20 bis 30 Stunden. Dennoch gibt er zu bedenken: Sachverständige beraten, entscheiden muss das Gericht!

Auch wenn schuldunfähige Straftäter, die wegen ihrer Gefährlichkeit in Kliniken untergebracht sind („manchmal lebenslang“), wieder in die Freiheit entlassen werden sollen, stellen die Psychiater eine Prognose. Die Trefferquote, sagt Wörthmüller, liege bei – „das ist gut“ – 80 Prozent. Aber natürlich könnten sich auch Gutachter irren.

04/12/2013