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Ist Justitia wirklich blind?

uni181113

Sie trägt Augenbinde, diese Justitia. Wenn man es positiv sieht, bedeutet das, dass die Personifikation der Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person richtet.

Aber Professor Hans Kudlich, der vor 26 Hörern im Christine-Kreller-Haus der Stadtmission spricht, weist auch auf die „negative, unvermeidbare Blindheit“ hin.

Sie berührt grundsätzliche Probleme der Rechtsprechung: Der Richter, der entscheiden muss, hat die Tat nicht miterlebt und kann sich selten auf eine schriftliche Dokumentation stützen. Was tun? Unser Rechtssystem hat mehrere Filter eingebaut: Unterschiedliche Instanzen, das Mehr-Augen-Prinzip unter den Richtern und der Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ plus die Möglichkeit zur Revision sollen vermeiden, dass Unschuldige verurteilt werden.

Das gelingt nicht immer. Auch Richter machen Fehler, sagt Hans Kudlich. Dass sich die Justiz so schwer tut, eigene Fehler zu bekennen, führt er auf zwei Gründe zurück. „Nicht nur irren ist menschlich, Uneinsichtigkeit ist es auch“ heißt der eine. Der andere ist die Rechtssicherheit. Wenn das Vertrauen in sie verloren geht, erschüttert dies nicht nur Betroffene – sondern die ganze Gesellschaft.

18/11/2013