https://strassenkreuzer.info/wp-content/uploads/nuernberg-header.png

Die lebenden Toten

uni121213

Eine Wahrsagerin hat Reno ins Gefängnis gebracht. Sie zeichnete eine Skizze, die Eltern eines getöteten Mädchens erkannten Reno darin. 1978 wurde er verhaftet, verhört – und unterschrieb ein Geständnis.

Weitere Kindermorde wurden ihm zur Last gelegt und Reno zum Tode verurteilt. Der Journalist Arndt Peltner, der in den USA lebt, besucht ihn seit vielen Jahren regelmäßig in San Quentin.

Vor 24 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Domus miseri cordiae schilderte er die Zustände im Gefängnis: Dort sitzen 733 Todeskandidaten ein, in Zellen von 2,40 x 1,60 Metern Größe, mit einer Stunde Hofgang pro Tag – wobei viele der Männer in Käfige gesperrt werden. Sie wären in der brutalen Hierarchie unter den Gefangenen („wer nicht gehorcht, wird getötet“) in Lebensgefahr.

Seit 2006 wurde niemand mehr in Kalifornien hingerichtet. Dennoch darf sich Reno keine Hoffnung machen: In Freiheit wird er nie wieder kommen. Lebenslang bedeutet in den USA lebenslang, Resozialisierung findet nicht statt. „Man darf sich nichts vormachen“, sagt Arndt Peltner, „die meisten sind verurteilte Mörder.

Aber wenn nur einer unter ihnen ist, der unschuldig ist, ist das System der Todesstrafe falsch.“ Der Gedanke der Abschreckung scheint auch nicht zu wirken: In den Vereinigten Staaten werden jährlich 16.000 Menschen ermordet.

12/12/2013