Semesterabschlussfest des Wintersemester 2013

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Das darf gefeiert werden: 332 Hörerinnen und Hörer haben im Wintersemester 2013/14 die Straßenkreuzer Uni besucht.

Die Themenreihen „Wohnen“, „Unter Verdacht“ und „Billig“ und die Arbeitsgruppe „Das kann ich!“ waren so interessant, dass 38 Hörer eine Urkunde für ihr Durchhaltevermögen erhielten.

Die Auszeichnung überreichte so eloquent wie  warmherzig Frank Thyroff, Geschäftsführer der wbg und erster Dozent dieses Semesters. Unter den 60 Gästen, die zum um Semesterabschlussfest in der Heilsarmee gekommen waren, gehörten neben vielen Stammhörern auch Nürnbergs Bürgermeister Horst Förther und die Erlanger Bürgermeisterin Elisabeth Preuß.

Wie passend, dass in der Hörerrede Hermine Scherenhorst davon sprach, dass die Straßenkreuzer Uni sie um Information, neues Wissen und lebhafte Diskussionen bereichert – dass die Uni vor allem aber Gemeinschaft stiftet.

30/01/2014

Das kann ich: Aus dem Kopf heraus

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Was man zeichnen kann, kann man auch bauen! Michael Niqué, Manager und Mit-Initiator des FabLab macht den 22 Hörern der Straßenkreuzer Uni Mut.

In Halle 14 auf AEG, wo die experimentelle Kombination von Fabrik und Labor findet, gehen sie zu Werke. Mit Edding, einem Blatt Papier und viel Phantasie.

Kleeblatt, Dampflok, Herzchen – oder einfach der eigene Name schwarz auf weiß. Das Etikett wird auf ein Acryl- oder Holzplättchen geklebt und in den Laserschneider gelegt.

Die vielen Zwischenschritte, die ein Computerprogramm hier scheinbar mühelos zusammenfasst, hat Michael Niqué zuvor erläutert – und die Teilnehmer beobachten staunend, wie präzise die Maschine arbeitet und wie aus dem Bild im Kopf über die Handzeichnung ein ganz individueller, persönlicher Schlüsselanhänger wird.

Das Schönste: Alle, die das Reinschnuppern auf tolle Ideen gebracht hat, können diese in der Offenen Werkstatt des FabLab (freitags 18 – 22 Uhr, samstags 12 – 20 Uhr) verwirklichen.

22/01/2014

Markt ohne Moral?

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Was verbindet Papst Franziskus, den Weltchef von McKinsey und den Ehrbaren Kaufmann, wie ihn die Industrie- und Handelskammer Nürnberg wiederbeleben möchte?

Professor Karlheinz Ruckriegel, der Geldpolitik lehrt und Glücksforscher ist, sieht eine starke Verbindung: Sie alle fordern, dass sich Menschen auch in der Wirtschaft sozial und ethisch verhalten.

Dass sie Geschäftspartner nicht übers Ohr hauen und Mitarbeiter nicht ausnutzen – allein, weil sich das nicht rechnet. Denn wo kein Vertrauen besteht, werden auch bald keine Transaktionen mehr stattfinden. Vor 40 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Caritas-Pirckheimer-Haus stellt Ruckriegel ein beginnendes Umdenken fest.

Die Doktrin der 70er und 80er Jahre, dass der Markt schon alles richtet, sei nicht zuletzt durch die Finanzkrise ins Wanken geraten. In der lebhaften Diskussion nach dem Vortrag hakten die Hörer kritisch nach: „Warum wachen die Topmanager nicht auf? Es geht doch nur um Profit!“ oder „Wie moralisch ist es, Fachkräfte, denen andere Ländern eine gute Ausbildung geschenkt haben, nach Deutschland zu holen?“ und „Wenn sich so viele Firmen Ethik auf die Fahnen schreiben, warum bewegt sich dann so wenig?“

Karlheinz Ruckriegel verweist auf das bisher Erreichte – und hofft auf die Zukunft.

16/01/2014

Auf Kante genäht

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Es hat mich nachdenklich gemacht, schreibt eine Hörerin nach dem Vortrag von Maik Pflaum. Der Aktivist der Kampagne für saubere Kleidung, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung einsetzt, hat über die Zustände in der Textilindustrie berichtet.

Egal, ob El Salvador, Thailand oder Kambodscha: Die Näherinnen dort arbeiten im Akkord und können von Hungerlöhnen kaum leben.

0,4 Prozent beträgt der Lohnanteil an einem Sportschuh – für die Werbung sind dagegen 8,5 Prozent reserviert. Vor 26 Hörern in der Wärmestube erläutert Maik Pflaum die Mechanismen: Große Marken produzieren nicht mehr selbst, sie geben Aufträge an die günstigsten Hersteller, durch schnell wechselnde Kollektionen und kurze Lieferfristen steigt der Druck in den Fabriken.

Viele Textilarbeiter leben wie Sklaven. Was tun? Maik Pflaum verweist auf die Fair Wear Foundation, deren Mitglieder Grundbedürfnislohn zahlen, und auf kleine, feine Hersteller. Diese Shirts und Hosen kann nicht jeder zahlen.

Aber es helfe auch, sparsam mit Kleidung umzugehen – etwa, indem man Gebrauchtem in Secondhand-Läden und Tauschbörsen ein zweites Leben schenkt.

14/01/2014

Wenn Arbeit billig ist

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Dass er mehr mit Menschen statt über sie reden will, hat sich Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, fest für 2014 vorgenommen. Als Dozent der Straßenkreuzer Uni tut er genau dies:

Er diskutiert mit 32 Hörern über Niedriglöhne und die Arbeitssituation insgesamt. 4,3 Millionen Menschen sind Geringverdiener, 900.000 können von ihrem Lohn nicht leben – während die, die gut bezahlt werden, immer mehr verdienen.

„Ich bin der Meinung, wir haben dort Korrekturbedarf“, sagt Alt im Christine-Kreller-Haus der Stadtmission. Er verweist auf den Koalitionsvertrag und den vereinbarten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Brutto. Heinrich Alt hält diese allgemeine Lohnuntergrenze für einen Fortschritt. Schließlich hätten 25 der 27 EU-Länder den Mindestlohn.

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung belege zudem am Beispiel der Wäschereien,  dass keine Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Für noch entscheidender allerdings hält der Arbeitsmarktexperte gute Bildung und gegebenenfalls Nachqualifizierung.

Er lässt Zahlen sprechen: Ein Facharbeiter verdiene im Leben 300.000 Euro mehr als ein Ungelernter.

08/01/2014