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Wer sorgt für soziale Gerechtigkeit?

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Gerechtigkeit beginnt beim Briefkasten, das wird bei dieser sehr lebendigen Führung mit Richter Günter Merkel durch das ehrwürdige Sozialgericht sofort klar.

Unten am Eingang kann jeder Bürger mit Wohnsitz Mittelfranken sein Anliegen in Schriftform einwerfen. Taggenau wird das registriert.

Noch besser: Wer sich nicht sicher ist, wie ein Schreiben formuliert werden soll, dem wird gern vor Ort geholfen – und das komplette verfahren ist umsonst. So kann sich jeder Bürger ermutigt fühlen, gegen den Staat zu kämpfen, wenn bei seiner Rente, bei Sozialhilfe, Hartz IV, Elterngeld, Pflege oder einer sonstigen sozialen Versicherung oder Versorgung seiner Meinung nach etwas nicht passt.

Richter Merkel ist einer von 20 Richterinnen und Richtern am Sozialgericht Nürnberg – und mit ihm geht die mit 32 Personen viel zu große, aber enorm interessierte Gruppe nun zur Posteingangsstelle, wo jedes Schreiben ein Aktenzeichen bekommt, dann weiter in die Geschäftsstelle, wo es zusammen mit eventuellen Gutachten und Attesten in einen farbigen Ordner verpackt und dann dem zuständigen Richter gegeben wird. Günter Merkel sorgt sich um die Pflege-Fälle und seine Akten sind gelb.

Über 200 bekommt er jedes Jahr. Kein Wunder, dass genaues Lesen eines Richters Hauptbeschäftigung ist. Insgesamt gingen 2010 über 7300 Vorgänge am Sozialgericht ein, die meisten handeln von Hartz IV. Am Ende zieht Richter Merkel im Sitzungssaal seine Robe an und verkündet die Entscheidung: unser fiktiver Pflegefall erhält keine Pflegestufe 1. So will es das Gesetz, ob das gerecht ist, darüber könnten die Hörer noch stundenlang mit Günter Merkel diskutieren.

26/01/2011