Wenn die Luft dünn wird

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Der Präsident der Malediven hält eine Ratssitzung unter Wasser – das ist ein Bild, mit dem Professor Dr. Mölg den steigenden Meeresspiegel aufgrund der globalen Erwärmung drastisch veranschaulicht.

Der Klimatologe von der Universität Erlangen belegt mit vielen Zahlen, wie sich das Klima wandelt und welchen Anteil der Mensch daran hat.

Gebannt lauschen die 17 Hörer der Straßenkreuzer Uni im Südstadtforum aber vor allem, als der Forscher von seinen Expeditionen auf den Kilimandscharo berichtet, bei denen er mit Kollegen mehrere Messstationen auf 6000 Metern Höhe aufgestellt hat.

Ihr Erkenntnisinteresse: Auch auf dem höchsten Bergmassiv Afrikas schmelzen seit Ende des 19. Jahrhunderts die Gletscher – warum? Herausgefunden haben sie, dass feuchte Luftmassen aus dem Indischen Ozean immer seltener zum Kilimandscharo kommen und die Wolken nicht mehr über dem Gipfel zusammenschlagen. Die Folge: Es fällt nicht mehr genug Schnee, um die Schmelze auszugleichen. Der Kilimandscharo ist dabei nur ein Beispiel.

„Sicher, das Klima ist immer im Wandel. Aber noch nie vorher gab es sieben Milliarden Menschen auf der Erde, noch nie vorher waren Menschen für den Wandel mitverantwortlich“, sagt Thomas Mölg. Er mahnt: „Wie es weitergeht, bestimmen im Grunde wir.“

29/06/2016

Auf in den Garten II

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Die Radieschen sind aufgegangen, die Bohnen sprießen – aber an den jungen Kohlrabi haben Raupen gefressen. Tja, so ist das in der Natur!

Auch das ist eine Erfahrung, die die Hörer der Straßenkreuzer Uni beim Workshop „Auf in den Garten“ mit Landwirt Fritz Höfler (im Bild) sammeln.

Mit Begeisterung wurde die Beete, die alle gemeinsam zwei Wochen zuvor bei der Noris Inklusion an der Braillestraße angelegt hatten, diesmal gepflegt. Unkraut zupfen, Boden lockern und natürlich viele, viele Kannen mit Wasser herbeitragen.

Daneben blieb den Hörern, die oft selbst Gartenerfahrung etwa aus der Kindheit mitbringen, Zeit für Fragen: Wann ist der Boden fruchtbar? Müssen die Tomaten ausgegeizt werden? Könnte die Landwirtschaft hierzulande ohne das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat noch funktionieren? Werden die Radieschen bis zum nächsten Termin in zwei Wochen erntereif sein?

28/06/2016

Ewiges Kommen und Gehen

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Die ökologische Nische darf man sich nicht vorstellen wie ein Vogelhäuschen.

Vielmehr hängt das Entstehen und Bestehen einer Art von einer Reihe von Bedingungen ab, sagt der Biologe Dr. Jürgen Schmidl: von Nahrungsangebot, Licht, Temperatur und der Struktur der Landschaft – und den Eigenschaften der jeweiligen Art.

26 Hörer der Straßenkreuzer Uni lauschen im Haus Domus Misericordiae konzentriert, was der Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg über Evolution und Klimawandel berichtet. Inseln beispielsweise sind ein Brennglas für das Zusammenspiel von Umwelt und Artenvielfalt. Je größer und älter eine Insel ist, desto mehr Arten gibt es.

Auch die Nähe zum Festland spielt eine Rolle: je isolierter, desto weniger Arten. Hier schlägt der Forscher einen Bogen nach Deutschland: Der einseitige der Anbau von Feldfrüchten, Stichwort Vermaisung, und immer größere Flächen oder die Zersiedelung bewirken, dass viele Insekten ihre Nahrung nicht mehr finden oder die Entfernungen nicht überbrücken können.

„Wir haben Gefährdungsgrade von 30 und 50 Prozent“, sagt Schmidl, der über Käfer forscht. Schlimm? Schon! Denn die Artenvielfalt ist nicht zuletzt ein Reservoir für menschliche Nutzung, etwa in der Medizin. Wasserkäfer beispielsweise scheiden Hormone aus, die in der Antibabypille gebraucht werden.

21/06/2016

Auf in den Garten

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Einfach mal die Kresse halten – das war beim Workshop „Auf in den Garten!“ eindeutig zu wenig.

Die neun Hörerinnen der Straßenkreuzer Uni, die trotz Regens zum Gartenbaubetrieb der Noris Inklusion gekommen waren, mussten sich kräftig ins Zeug legen.

:Aus Rasen sollten Beete werden. Mit Hacken und Spaten die Grasnarbe entfernen, Erde umstechen und dann ansäen und pflanzen – in den gesetzten anderthalb Stunden kamen die frischgebackenen Gärtner ganz schön ins Schwitzen.

Aber am Ende hatten sie die ersten der künftigen Mitmach-Gärten an der Braillestraße nahe dem Marienbergpark angelegt.

Junge Tomaten und Kohlrabi, Schnittlauch und Rucola wachsen in den nächsten Wochen hoffentlich kräftig. Auch Radieschen, Bohnen und Rettich sind in die Erde gelegt. Mal sehen, was wird.

16/06/2016

Er ist wieder da!

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Hier ein Türke, da ein Nazi – dann wird’s ja von selber lustig. Doch da haben sich die Fernsehleute in Timur Vermes Buch „Er ist wieder da“ geschnitten.

Adolf Hitler, der in der Satire 2011 unvermittelt in Berlin erwacht, ist ganz er selbst und von Witzen hält er nichts.

Über zwei Millionen Exemplare sind verkauft, Lizenzen gingen in 40 Länder und im vergangenen Jahr erschien der Film zum Buch. Als Bestseller-Autor Timur Vermes vor 67 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Caritas-Pirckheimer-Haus liest, wirft er sich in die Brust und imitiert den schneidenden Tonfall des Führers an.

Hörer fragen: Wie weit darf man gehen, wenn man Hitler heute darstellt? „Ich wollte ihn nicht besser machen als er war und nicht schlechter“, sagt Timur Vermes. Gern berichtet er, wie er auf die Idee kam, und diskutiert darüber, was sein Buch soll und kann. „Nazis zu guten Menschen machen, das sollen andere versuchen“, formuliert er durchaus streitbar.

Eine Moral will er nicht vermitteln, den Lesern aber hoffentlich Grund zum Nachdenken geben: „Das Buch beginnt damit, dass Hitler in einer Pfütze aufwacht. Am Ende stehen ihm alle Türen offen.“

14/06/2016