Bloß keine Verschwendung

uni27052015

Steuern zahlen wir gern, sagt Rolf Baron von Hohenhau. Straßen, Schulen oder Krankenhäuser werden schließlich davon finanziert.

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler in Bayern und in Europa meint jedoch, dass das Geld vom Staat und den Kommunen sinnvoll und sparsam eingesetzt werden muss – statt verschwenderisch oder in einigen Fällen gar betrügerisch.

Letzteres ist leider viel zu häufig der Fall, schildert Baron von Hohenhau vor 31 Hörern der Straßenkreuzer Uni in den Räumen der katholischen Hochschulgemeinde. 30 Milliarden Euro jährlich, so wird geschätzt, werden in Deutschland unnütze in einfach „So-da“-Brücken, überflüssige Planung oder beispielsweise den G7-Gipfel im Naturschutzgebiet gesteckt.

„Überlegen Sie mal, was man damit alles machen könnte!“, sagt der Steuerstreiter. Zum Beispiel Steuern senken, Kindergärten finanzieren oder Staatsschulden abzahlen. Eins übrigens findet Rolf Baron von Hohenhau genauso so richtig wie Investitionen, die dem Volk und den Menschen nutzen: „dass die Reichen den Armen helfen“.

27/05/2015

Auch Patrizier liebten Prunk

uni21052015

Das Feinste war gerade gut genug, als Lienhard Tucher II ein achtteiliges Gießgeschirr für seinen Sohn Herdegen bestellte.

Der berühmteste Goldschmied seiner Zeit, Wenzel Jamnitzer, schuf Schalen und Kanne aus Kupfer, die in der Werkstatt von Pierre Reymond in Limoges mit feinster Emaillemalerei veredelt wurden.

Dies ist eines unter vielen Beispielen, in denen Ulrike Berninger, Leiterin des Museums Tucherschloss und Hirsvogelsaal, den 22 Hörern der Straßenkreuzer Uni die Geschichte der Patrizier und speziell der Tucher nahebringt.

Die durch Fernhandel zu Ansehen und ungeheurem Reichtum gekommene Familie erbaute sich das Schloss am Treibberg als Sommersitz und stattete es mit den modernsten Errungenschaften wie einem Treppenturm, mit prachtvollen Malereien und Tapisserien sowie kunstvollen Möbeln aus.

Auch die übrigen 41 Patrizierfamilien, die die Geschicke Nürnbergs lenkten, präsentierten ihren Wohlstand nicht nur hinter den Fassaden – so dass der Rat der Stadt beispielsweise eine Kleiderordnung erließ, die festlegte, wer als Angehöriger eine bestimmten Schicht welche Stoffe, Pelze oder Schmuck tragen durfte.

21/05/2015

Die bedrohte Freiheit

uni18052015

Männer bei lebendigem Leib verbrannt, Kunstschätze zerstört, Tausende zu Flüchtlingen gemacht – die Nachrichten aus aller Welt erschrecken uns.

„Das sieht wie Barbarei aus, aber es sind Menschen des 21. Jahrhunderts, die das tun“, sagt Professor Heiner Bielefeldt.

Der UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit spricht vor 26 Hörern der Straßenkreuzer Uni in der Heilsarmee und kommt immer wieder auf einen Punkt zurück: Es sind Menschen, die religiöse Texte interpretieren – im Fall von Isis besonders eng und unbarmherzig.

Aber auch Hindus, Christen und sogar Buddhisten verfolgen Andersgläubige. Dabei spielt Religion eine Rolle, aber erst Armut und Korruption, der Verlust des Vertrauens in den Staat und Paranoia führen in eine Abwärtsspirale. Was tun?

Heiner Bielefeldt, der in seinem Ehrenamt um die ganze Welt reist, verweist auf Einzelne und Gruppen, die ihre Stimme gegen den Terror und Radikalisierung erheben. Auch in Deutschland. Stichwort Pegida: „Wir müssen Ängste ernst nehmen, aber darauf antworten“, sagt der Menschenrechts-Professor aus Erlangen. Ausländerfeindlichkeit gehört nicht in unsere Gesellschaft.

18/05/2015

Hochzeit auf Türkisch

uni11052015

Das Menü besteht manchmal nur aus Putengeschnetzeltem, Salat und einer Kugel Reis.

Den Gästen ist das recht, denn bei einer türkischen Hochzeit steht nicht das Essen, sondern das Feiern mit vielen, vielen Freunden und Verwandten (oft bis zu 400 Personen) im Vordergrund.

Dabei wird ausgelassen getanzt – und selbst moderne Paare besinnen sich an diesem besonderen Tag gern auf die Rituale aus dem Herkunftsland ihrer Eltern. Das erzählt Sebiha Meral, die Hochzeitsplanerin.

Sie spricht vor 26 Hörern im Karl-Bröger-Zentrum über die Henna-Nacht, die Frauen manchmal ganz unter sich verbringen, über den Abschied der Braut aus ihrer Familie, bei dem Tränen fließen, und die Bedeutung von Details. Es muss alles stimmen: Von dekorativ verpackten Nüssen und kleinen Geschenken bis zu den Fackelträgern, die das Paar in den Saal geleiten, wo die Hochzeitsgesellschaft schon wartet und die Musik wummert.

Vieles ist ähnlich wie bei deutschen Feiern, manches ganz anders. Was gar nicht geht bei einer türkischen Hochzeit? Die Gäste im Hotel einzuquartieren – das wäre eine grobe Beleidigung.

11/05/2015

Das Pfand in der Faust

uni04052015

Schnell an Geld kommen, das kann man im Leihhaus. Schmuck, Gold und Silber oder Uhren können am Unschlittplatz verpfändet werden – für drei Prozent Gebühr pro Monat.

Wie wird der Wert geschätzt? Erkennen die Mitarbeiter auch eine gefälschte Rolex? Was ist, wenn ein Pfand nicht abgeholt wird?

Die 26 Hörer der Straßenkreuzer Uni löchern Wolfgang Jeske, den Geschäftsführer des Leihhauses, mit Fragen. Zuvor hat der einen Blick in die Geschichte geworfen: Früher gab es in jeder Stadt ein öffentliches Leihhaus, denn das Bankwesen war noch nicht entwickelt – und wer kurzfristig Geld brauchte, versetzte eben seine Maurerkelle oder das Spinnrad.

Noch heute ist das Pfand in gewisser Weise besser als ein Kredit, denn die Schulden können sich nicht haushoch türmen. Im schlimmsten Fall ist das Pfand weg. „Mitleid haben sie nicht?“ fragt ein Hörer. Wenn das Herz eines Kunden sehr an einem Stück hängt, sagt Wolfgang Jeske, schiebe er die Versteigerung schon einmal auf.

Aber spätestens nach neun Monaten kommt es, so will es das Gesetz, unter den Hammer. Was dabei keinen Liebhaber findet, fällt ans Leihhaus und liegt irgendwann in den Vitrinen des Altstadtjuweliers zum Verkauf.

04/05/2015