Wieder Kind sein

uni15052014

Gar nicht so leicht, sich alle Regeln zu merken. Der Frosch im Kreis bewacht die gelbe Kugel, kann aber unter seiner Augenbinde nichts sehen. Die Mitspieler versuchen, sich den Ball unter den Nagel zu reißen – dürfen ihn aber nur mit beiden Händen greifen.

Das ist knifflig und macht den 15 Hörern der Straßenkreuzer Uni große Laune, die sich zur Arbeitsgruppe „Alles nur ein Spiel“ auf der Wöhrder Wiese getroffen haben.

Heiko Thurner, Erlebnispädagoge und Trainer, hat den Ball, ein paar Schnüre und Pylonen zur Spielfeldabgrenzung mitgebracht. Vor allem aber jede Menge Ideen. Die Spieler vergnügen sich mit Kettenspielen, bei denen zwei an den Armen „zusammengewachsen“ sind und andere fangen müssen – aber niemand laufen darf.

Es gibt Duelle, bei denen der Ball durch Spielzüge „scharf gemacht“ werden muss, bevor gegnerische Spieler „abgeschossen“ werden können. Aber keine Sorge, kriegerisch geht es nicht zu. Vielmehr ist Zusammenspiel gefragt.

Beispielsweise beim Balanceakt, bei dem zwei Rücken an Rücken bis zur nächsten Linie gelangen müssen – und dabei erstens den Ball in ihrem Kreuz nicht verlieren dürfen und ihn zweitens an das nächste Paar übergeben müssen. Ohne Hände, klaro. Wenn der Ball fällt – sabberlot! – zurück auf Los.

15/05/2014

Spezial: Stark für Schwache eintreten

uni12052014

Werden Sie Schutzengel! Eindringlich appelliert Claus Fussek an die 23 Hörer der Straßenkreuzer Uni in der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus.

Sie mögen in Alten- und Pflegeheime gehen, und einem alten Menschen einfach mal zuhören, mit ihm raus gehen und ihn in den Arm nehmen.

Denn nicht einmal die einfachsten Bedürfnisse, bilanziert Deutschlands bekanntester Pflegekritiker, erfülle die Pflege im Heim. Die Schuld dafür schiebe jeder auf den anderen: die Angehörigen auf die Pflegekräfte, die Pflegekräfte auf die Arbeitsbedingungen, die Heimbetreiber auf die Politik, die Politik auf (fehlende) Geld und dann von vorn.

Dabei dürfe man doch für 3500 Euro pro Monat im Doppelzimmer auch ordentliche Arbeit erwarten, sagt Claus Fussek. Und es gibt sie ja, die Heime, die mit guter Betreuung gut wirtschaften. Wie man sie erkennt? An erster Stelle steht Ehrlichkeit. Wenn die Leitung sagt, es gebe keine Beschwerden – lügt sie. Wo so viel Faktor Mensch hineinspielt, gebe es immer welche.

Apropos Mensch: Unnachgiebig hakt der Pflegekritiker nach. Wer ist für Ihre Eltern verantwortlich? Die Antwort ist unbequem. Erst Sie und Ihre Geschwister, dann die Pflegekraft. Tja… scheint, als gäbe es für Schutzengel jede Menge zu tun.

12/05/2014

Puppen, Plüsch & Bobby-Cars

uni08052014_1
uni08052014_2

Gute Slogans denkt man sich bei der Simba-Dickie-Group selbst aus. „We love to make toys“ ist so einer. Und wenn Firmenchef Michael Sieber erzählt, spüren 23 Hörer der Straßenkreuzer Uni genau, wie viel Begeisterung und Liebe im Spielzeugmachen stecken. Mehr als 4.000 Artikel und 14 namhafte Marken sind unter dem Dach der Gruppe mit Sitz in Fürth-Stadeln vereint, drei Viertel des Umsatzes werden im Ausland gemacht.

Wird in anderen Ländern anders gespielt? Es gibt zumindest andere Vorlieben, berichtet Michael Sieber. Die Russen, die jahrzehntelang nur Holzspielzeug hatten, sind ganz verrückt nach Plastikspielzeug. Die Amerikaner kaufen spontan und am liebsten Spielsachen, die auf Kinofilme zurückgehen. Und den Chinesen fehlt(e) das Unrechtsbewusstsein, wenn sie westliche Erfindungen kopieren.

Dennoch: Simba-Dickie behauptet sich. Vielleicht, weil Michael Sieber eine Frage ganz nach oben stellt: Was will das Kind? Ganz oben auf der Liste stehen einige Renner, die 80 Prozent des Umsatzes machen. Das Bobby Car ist einer davon. 18 Millionen Exemplare – das Kleinste kürzer als eine Streichholz-Schachtel, das größte acht Meter lang – wurden von 1972 bis heute verkauft. Und es rollt und rollt und rollt.

08/05/2014

Von der Idee zum Spiel

uni_05052014

Einen Fehler sollte man nicht machen: Ein Spiel erfinden, das es schon gibt. Dabei erscheinen jährlich fast 1.000 neue Spiele, darunter überdauern wenige Klassiker wie ‚Mensch ärgere dich nicht’, Schach oder Go die Zeiten.

Was reizt dann einen Spiele-Autor wie Clemens Helldörfer? Es ist der Gedanke „so etwas hätte ich mir gern gekauft, bloß gab es das nicht“, erzählt er vor 23 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Eckstein.

Eine Handvoll Spiele hat er sich schon ausgedacht, mehrere sind in Verlagen erschienen. Die Grundregeln des Erfindens: Die Regeln müssen klar sein, aber individuelle Veränderungen ermöglichen; oft gibt die Gestaltung den Kick; ein neues Spiel muss vor Marktreife oft und von verschiedenen Menschen ausprobiert werden. Wenn die Spieler sagen „Komm, jetzt noch ‚ne Runde!“, ist es wirklich gut.

Darüber hinaus unterliegen auch Spiele Moden. 2-Personen-Spiele waren lange Zeit out, auch das Würfeln. Neu ist, dass Computerspiele als Brettspiele aufgelegt werden. Nicht immer geht es übrigens um das Be-Siegen: Im vergangenen Jahr wurde das kooperative Hanabi, bei dem aus Karten gemeinsam ein Feuerwerk kreiert wird, zum Spiel des Jahres gekürt.

05/05/2014

Das ganz große Spiel

uni_290414

Zehn Euro stehen auf dem Spiel: Gleich in bar werden sie von Professorin Veronika Grimm ausgezahlt, sofern sich Aufteiler und Empfänger einigen.

Der Aufteiler schlägt vor, wie die Summe geteilt werden soll; der Empfänger sagt, ab welchem Betrag er annimmt. Stimmen sie nicht überein, ist das Geld für beide verloren.

6 Euro für sich und 4 Euro für den Empfänger hat Kesten-Stipendiat Giacomo aus Italien vorgeschlagen, der die Straßenkreuzer Uni beim Vortrag zur Spieltheorie kennenlernt – und gewinnt. Das Experiment, wie Geld „gerecht“ aufgeteilt wird, ist nur ein Teil dieser Theorie.

Die Volkswirtschaftsprofessorin beschäftigt sich beispielsweise auch damit, was geändert werden muss, damit Frauen endlich gleiche Löhne für gleiche Arbeit erhalten. Noch immer verdienen sie sieben Prozent weniger als Männer. Die Zusammensetzung von Tarifkommissionen ist dabei ein Dreh- und Angelpunkt, hat Veronika Grimm mit der Spieltheorie herausgefunden. Wer sitzt drin, wer darf entscheiden?

Viel wichtiger aber noch, das erfahren 48 Hörer in der Heilsarmee, ist der Austausch über die Standpunkte von Aufteilern und Empfängern: Im Experiment teilten sie nach kurzem Kennenlernen die verhandelte Summe zu gleichen Teilen auf.

29/04/2014