Straßenkreuzer Uni: „So schreibt man einen Tatort“ – so war’s

Die Tortur endet, sobald Max Färberböck zu schreiben beginnt. Dann fließt die minutiös ausgedachte Geschichte aus ihm heraus und mit wenigen Worten skizziert er einen neuen Tatort. Im vollbesetzten Casablanca-Kino erinnert sich der vielfach ausgezeichnete Drehbuch-Autor und Regisseur vor 60 Hörern der Straßenkreuzer Uni, wie er die Idee zum ersten Franken-Tatort hatte: Waffen Chesi, der Celtis-Tunnel bei Nacht und eine Erzählung über zwei Dolche und ihre Geschichte mischten sich.

Denn viel wichtiger als der Kriminalfall selbst sind Färberböck die Personen und die Atmosphäre seiner Filme. Ein Tatort soll menschliche Tiefen ausloten und „spannend und unheimlich sein, er muss an die Grenze dessen gehen, was man sehen will“. Dr. Stephanie Heckner (Foto), die die Redaktion Reihen und Mehrteiler beim Bayerischen Rundfunk leitet und den Franken-Tatort mitentwickelt hat, nickt: Nicht möglichst viele Leichen oder die Einschaltquote zählen, ein guter Film soll entstehen!

Das dauert Monate. Mindestens drei braucht das Drehbuch, dann – wie beim ersten Frankentatort „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ – müssen an 23 Drehtagen 48 Schauspieler plus Drehteam unter einen Hut gebracht werden, schließlich benötigen Schnitt, Vertonung und Farbabgleich ein weiteres halbes Jahr. An die Premiere im Cinecittà erinnert sich Max Färberböck noch gut: Bis um vier Uhr früh am Montag wurde gefeiert.

Gerade arbeiten Stephanie Heckner und Max Färberböck den vierten Franken-Tatort aus. Der soll „Ich töte niemanden“ heißen und natürlich spielt er wieder in der Noris. „Ich habe mich in Nürnberg vergafft“, gesteht Max Färberböck. Übrigens auch in die Franken, die er wegen ihres „heiteren Gemüts“ und ihrer starken Frauen schätzt.

 

[gk]