Strassenkreuzer Uni: Wir schaffen das

Die Gründerin und Geschäftsführerin der Stiftung Sozialidee Trudi Götz und ihre Kollegin Ute Strait-Aouichi begrüßen uns heute im Südstadtforum. Sie haben sehr viele Materialien mitgebracht, die sie den 28 Teilnehmern auch unverzüglich vorstellen. Götz erzählt von den Projekten, die sie mit vielen Ehrenamtlichen verwirklicht. Wichtigstes Ziel dabei ist, Chancengleichheit und Teilhabe an der Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu gewährleisten, die nicht gut deutsch sprechen können oder auf ihrem Bildungsweg nicht genug Förderung erfahren. Dabei stellt die Sprachförderung einen Schwerpunkt dar. Götz erklärt, warum herkömmliche Deutschbücher oft zu schwer zu verstehen sind und sie das Projekt „Deutsch im Koffer“ auf den Weg gebracht hat. Und warum es Männern oft viel schwerer fällt, Deutsch zu lernen als Frauen. Außerdem stellt sie die interkulturelle Montessori-Werkstatt vor und erklärt das Prinzip der Pädagogik nach Maria Montessori. Zusammen mit Frau Strait-Aouichi beantwortet sie die vielen Fragen nach Computer-, Töpfer- und Grafikdesignkursen, die ausschließlich durch Spenden- und Fördergelder finanziert werden. Am Ende diskutieren wir noch lange über Integration und wie diese idealerweise aussehen müsste. Ein streitbares Thema, wie wir feststellen. 

Text: Sandra Dichtl 
Fotos: Barbara Kressmann und Walter Schindler
07/12/2018

Strassenkreuzer Uni: Wenn Ayse keinen Job bekommt

Das Thema Diskriminierung  lockt 37 Teilnehmer in das Heilig Geist Haus am heutigen Nachmittag. Die Leiterin des Menschenrechtsbüros Martina Mittenhuber erklärt einführend ihren Aufgabenbereich und warum Nürnberg nun schon seit 25 Jahren die Stadt der Menschenrechte ist. Weiterhin fragt sie, was Menschenrechte überhaupt sind und welche die Zuhörer kennen. Genannt werden das Recht auf Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Bildung und einige mehr. Deren Schutz und Gewährleistung sind vom Staat zu leisten. Verletzt werden sie aber auf kommunaler Ebene. Sanktionen müssen deshalb eingeklagt werden. So wurde 2017 beispielsweise nach langem Rechtsstreit durchgesetzt, dass Nürnberger Steinmetze keine Steine mehr aus Ländern beziehen, in denen Kinderarbeit zugelassen ist. Wie sieht nun die Menschenrechtsarbeit in Nürnberg aus? Als Leitlinie ist die Bildungsarbeit zu sehen. Dabei hat Nürnberg das größte Angebot bundesweit. Die Antidiskriminierungsstelle ist in Nürnberg mit einer Juristin besetzt, bei der pro Jahr bis zu 200 Fälle auflaufen. Diskriminierung wird oft nicht erkannt, gibt Mittenhuber zu bedenken. Sie zeigt sich in der Benachteiligung oder Herabwürdigung von Menschen aufgrund ihrer Religion, Herkunft, Weltanschauung, sexuellen Orientierung, sozialen Lage, politischen Überzeugung, körperlichen oder geistigen Fähigkeiten oder ihres Alters und Geschlechts. Oft ist aber keine Diskriminierung im Sinne des Rechts auszumachen und die Sanktionsmöglichkeit gering. Deshalb sei es wichtig, aufzuklären über Broschüren und Veranstaltungen.  Mittenhuber rät auch, jeden Angriff zu melden und zu versuchen, im Alltag aufmerksam r die tägliche Diskriminierung zu sein.

Text: Sandra Dichtl 
Fotos: Barbara Kressmann und Walter Schindler
22/11/2018

Strassenkreuzer Uni: Lebenslang für einen Mörder

Im Königssaal des Nürnberger Amtsgerichtes treffen sich heute 35 Teilnehmer für den letzten Vortrag des Themenblocks: Die Schwere der Schuld. Justizpressesprecher Friedrich Weitner begrüßt uns in dem geschichtsträchtigen Raum und berichtet über den Weg, den Urteile für Straftäter nehmen. Zuerst klärt er, dass ein im Namen des Volkes gesprochenes Urteil den Volkswillen ausdrückt. Auch wenn das Volksempfinden davon abweichen kann, soll damit gesagt werden, dass die Staatsgewalt vom Volk ausgehtWie ist nun ein Schöffengericht zusammengesetzt? In einem Gerichtssaal befinden sich bis zu 5 Richter, Zeugen, der Angeklagte, ein Dolmetscher, Schöffen, ein Protokollführer, der Staatsanwalt, Nebenkläger und ein Gutachter. Wird der Angeklagte also schuldig gesprochen, wird bemessen, wie hoch die Strafe sein muss. Dafür gibt es für jede Tat einen Strafrahmen, in dessen Spielraum dann nach allen Abwägungen, Begutachtungen und Vernehmungen die konkrete Strafe für den Einzelnen bemessen wirdMögliche Strafen können Geldstrafen oder Freiheitsentzug sein. Haftstrafen können auch zur Bewährung ausgesetzt werden. Was die Zuhörer brennend interessiert: Was ist der Unterschied zwischen Mord und Totschlag? Für einen Mord sprechen Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebes, Habgier, Heimtücke und besondere Grausamkeit der Tat. Weitner gibt zu bedenken, dass auch Richter und Juristen fehlbar sind und es durchaus zu Fehlurteilen kommen kann. Wie damit umgegangen wird, könnte ein nächstes Thema für die Uni sein.

Text: Sandra Dichtl 
Bilder: Barbara Kressmann und Walter Schindler
14/11/2018

Strassenkreuzer Uni: Das Gewicht des Gutachtens

Wie psychiatrische und psychologische Gutachten für Straftäter erstellt werden, erfahren die 27 Teilnehmer der Straßenkreuzer Uni heute von Prof. Dr. Martin Krupinski aus Würzburg. Der forensische Facharzt für Psychiatrie erklärt, dass derlei Gutachten erstellt werden müssen, weil die Schuldfähigkeit des Patienten festgestellt, eine Kriminalprognose getroffen und sozialrechtliche Fragen und Entschädigungsgründe für die begangene Tat geklärt werden müssen. 

Die Arbeit eines Forensikers ist äußerst verantwortungsvoll und diffizil. Aufgrund der Aktenlage verschafft sich Krupinski zuerst ein Bild des Angeklagten. In einem persönlichen Gespräch befragt er ihn zur Tat und erstellt hernach Befunde und führt Untersuchungen durch. Wenn eine Diagnose erstellt ist, kann dann entschieden werden, wie medizinisch und juristisch vorgegangen wird. Bestrafungen dienen gesellschaftlich gesehen als Vergeltung, Abschreckung für den Einzelnen und für die Allgemeinheit, Wiedergutmachung und als Resozialisierung. Ein Straftäter kann nach StGB §20 schuldunfähig wegen seelischer Störung oder nach StGB §21 vermindert schuldfähig gesprochen werden. Das Urteil lautet dann: Maßregelvollzug. Der Verurteilte wird dann in eine forensisch-psychiatrische Klinik eingewiesen. Die anschließende Sicherungsverwahrung wird nur angeordnet, wenn davon ausgegangen werden muss, dass es zu keiner Strafeinsicht und Verbesserung der psychischen Verfassung kommen wird. Krupinski beruhigt aber damit, dass weniger als ein Prozent der Straftäter diesen Weg gehen. Und dass auch Gutachter dann und wann begutachtet werden, wenn ein Fehlurteil nicht auszuschließen ist.

Text: Sandra Dichtl 
Bilder: Thomas Slawik und Walter Schindler
14/11/2018

Strassenkreuzer Uni: Ist das Böse angeboren?

Mit 81 Zuhörern klären wir in unserer ersten Vorlesung des Semesters die Frage, ob das Böse angeboren sei. Die Juristin Gabriele Kett-Straub zeigt Bilder von Serienmördern und Schwerverbrechern und widerlegt die Annahme, dass man das Böse jemandem ansehen kann. Sie bemerkt, dass Kriminalität zu unserem Alltag gehört. Kleinere Delikte, wie Ladendiebstahl, begeht fast jeder von uns in der Kindheit oder Jugend. Damit ist jedoch keine kriminelle Karriere programmiert. Aber viel weniger Frauen als Männer werden straffällig. Ist das Böse also angeboren? Tatsächlich kann man sagen, dass Männer aufgrund des Hormons Testosteron aggressiver und gewaltbereiter sind als Frauen. Jedoch könnten die meisten von uns Kriminelle werden, wenn nicht das Elternhaus, die Schulbildung und das soziale Umfeld positiven Einfluss auf unsere moralische Erziehung nehmen. Und der Konsum von Alkohol enthemmt den Menschen und macht ihn damit anfälliger für aggressive und strafbare Handlungen. 26 Prozent aller Delikte werden unter Einfluss von Alkohol begangen. Jedoch gibt Kett- Straub auch zu bedenken, dass die Kriminalstatistik den Rückgang krimineller Taten belegt und in Deutschland so wenige Straftaten wie seit 25 Jahren nicht mehr begangen werden. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen zu werden, ist also sehr gering. 

Text: Sandra Dichtl 
Fotos: Barbara Kressmann und Thomas Slawik
06/11/2018