Editorial Dezember 2021

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

letztes Jahr im Dezember, als unser Vertrieb schließen musste, als es Kontaktbeschränkungen gab und das öffentliche Leben stillstand, machten wir eine Umfrage unter Straßenkreuzer-Verkäuferinnen und -Verkäufern. „Und was machst du so an Weihnachten?“, wollten wir wissen. Die Antworten erzählten fast alle von einem einsamen Leben und vielen Enttäuschungen. Damals hat der Verein jede/n Verkäufer/in mit jeweils 100 Euro über mehrere Monate hinweg unterstützt, Telefonketten sorgten für eine menschliche Verbindung. Das tat allen gut und wirkt bis heute nach.
Auch dieses Jahr, diesen Winter sieht es nicht besser aus. Nicht mit den Corona-Zahlen, nicht mit den vielen Menschen, die allein, einsam, arm sind. Dabei ist Weihnachten für viele von uns ein wichtiges, manchmal das wichtigste Fest. Es ist jedenfalls das Fest mit dem größten Konsumrausch im Vorfeld und mit der oft schmerzhaftesten Ernüchterung, wenn es (wieder) nicht so wird wie erhofft.
Für diese Ausgabe haben wir verschiedene Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt gefragt, was und wie sie feiern – und einige haben uns dazu ihre Rezepte gegeben. Zum Beispiel eine Ente mit Koriander als fränkisch-libanesischer Genuss, eine Winterkonfitüre, die auch Berufsschüler meistern, eine Erinnerung an Essen, die einem ALS-Kranken bleibt, kurdische Knödel in einer Familie mit großen Sorgen. Die Feuerwehrmänner der Wache 4 legen sich sogar jeden Tag in ihrer Küche ins Zeug und geben hier eine Krautpfanne dazu.
Wir legen dieser Ausgabe einen Fragebogen bei – er kann auch online ausgefüllt werden. Es wäre uns ein Fest, wenn Sie mitmachen würden.

Viel Freude beim Lesen,
frohe Feiertage und ein gesundes neues Jahr wünschen
Ilse Weiß und das Straßenkreuzer-Team