Leserbrief

Hallo liebe Straßenkreuzerredaktion,
haben Sie ein Augenblick Zeit ein paar Gedanken zu lesen?

In der letzten Woche kamen wir am Arbeitsplatz auf das Thema soziale Not. Wie schnell alles gehen kann, heute noch einen gut bezahlten Job und morgen vor dem Nichts stehen. Ich bin leitender Angestellter in einem Unternehmen und ich kann sagen, dass es mir und meiner Familie gut geht. Klar, ich habe einen 11-Stundentag, O.K., aber das nehme ich gerne in Kauf. Unter anderem kamen wir auf das Thema Straßenkreuzer, und dass man (ich, jeder?) damit etwas Gutes tun kann.

Heute Vormittag war ich in der Stadt , -8 Grad, sehr ungemütlich und kalt. Ich war auf dem Wege zu meiner Hausbank, meine derzeitige Wohnung soll verkauft werden und wir tragen uns mit dem Gedanken die Wohnung zu kaufen. Nach dem Gespräch, was nicht so verlief wie ich erhofft hatte kam ich an einem Verkäufer des Strassenverkäufers vorbei. Plötzlich hatte ich dieses Gefühl, was vor kurzem noch nicht da war. Gutes tun, wie kann ich mit 1.60 EUR etwas Gutes tun?

“Du machst Dir Gedanken ob und wie Du Deine Wohnung finanzieren kannst, trotzdem noch in den Urlaub fahren und den Zweitwagen der Frau mit versorgen”? Ich bin der Meinung der Verkäufer, der an der Ecke stand hätte sehr gerne meine Probleme … Wenn das alles ist …

Hut ab, vor Menschen die wirkliche Probleme haben und sich nicht in Drogen flüchten. Hut ab, vor jeden Menschen der bei -8 Grad im Freien steht um eine Zeitung zu verkaufen an der er 90 Cent verdient.

Kurz um, ich habe einen Straßenkreuzer gekauft und der freundliche Verkäufer hat gelächelt und mir einen schönen Tag gewünscht. Ich habe jeden Tag mit vielen Menschen zu tun, nur lächeln und freundlich sein können die wenigsten. Klar wir haben andere Probleme, wir sind der Meinung unsere Probleme sind die Größten, nein, unsere Probleme sind unwichtig, da draußen gibt es Menschen die haben wirkliche Probleme. Vielleicht werde ich irgendwann mal richtig helfen können, ich wünsche es mir…

Stefan Sander, 90455 Nürnberg