Freude an Texten – die Schreibwerkstatt

In jedem Heft gehören zwei Seiten der Schreibwerkstatt. Hier kann jede und jeder mitmachen, der gerne schreibt, Freude an frischen Themen und gemeinsamen Aktionen hat.

Regelmäßig treffen sich Verkäuferinnen, Verkäufer, Wärmestubenbesucher und andere Bürger in der Redaktion, um Themen zu erarbeiten und Texte zu schreiben. Namhafte Illustratoren setzen die Ergebnisse ins richtige Bild.

Das Projekt Gruppenfoto

Termine bitte in der Redaktion erfragen! Telefon 0911 217593-0

Hier auf der Online-Seite der Schreibwerkstatt finden Sie aktuelle Texte aus der Schreibwerkstatt, aber auch Beiträge, die im Magazin aus Platzgründen entfallen mussten.

Ich arme Sau!

Ein kerniger Ausdruck, der sofort zum Lächeln verführt. So richtig ernst nehmen kann man keinen, der sich als ärmste Sau bezeichnet. Genau deshalb war der Spruch so passend für die Mitglieder der Schreibwerkstatt, die sich über die arme Sau im eigenen Stall ausgelassen haben. Kommen Sie einfach rein und lassen Sie die Sau raus – an die frische Gedankenluft.

Niemand hat Murphy eingeladen

Ich arme Sau, hab gar nicht gemerkt, dass Murphy sich wieder bei mir eingenistet, ne festgekrallt hat. Beim Ausräumen der Spülmaschine, eine falsche Bewegung, im Rücken knackst es. Jede Bewegung verursacht höllische Schmerzen. An Sport darf ich nicht mal denken, sagt der Doc. Na prima, ich mache halblang, leg mich mittags hin.

Super für die Seele, ganz schlecht für den Lendenwirbel. Also zurück an die Arbeit, nur jetzt will der PC nicht. Erst fährt er nicht hoch, dann erkennt er das Wlan nicht. Als ich endlich – endlich alles so weit habe, hat sich der Drucker verabschiedet. Mein PC behauptet, kein Drucker angeschlossen. Der weiß genau, wie sehr ich den brauche. Ich zeige auf das Gerät, das neben ihm steht, seit Jahren neben ihm steht. Scheinheilig signalisiert sein grünes Lämpchen, er wäre ja bereit, aber der PC kennt ihn heut nicht.

Ich bin aufgeschmissen, ohne Dokumente in die Besprechung. Zur Beruhigung meiner Nerven beiße ich genussvoll in einen Apfel. Brauch Vitamine, da höre ich ein verräterisches Knacksen. Ein Blick auf den Apfel bringt Gewissheit. Ja geht’s noch? Der Zahn steckt da, wo er so überhaupt nichts zu suchen hat. Auf zum Zahnarzt.

Danach belohne ich mich mit dem Kauf eines Schränkchens im Geschäft nebenan. Schreibe eine WhatsApp an meine Freunde, wer kann mir das Ding nach Hause fahren? 92cm x 86 cm passen einfach nicht auf den Gepäckträger meines Fahrrads. Es hagelt Schweigen. Ich warte – 48 Stunden, meine Finger sind sprachlos. Noch immer nichts.

Beim Frühstück im Esszimmer entdecke ich Mäusespuren – mal wieder. Grünschwarz die Kötel, vom Rattengift, scheint ihnen ausnehmend gut zu schmecken. Wahrscheinlich habe ich eine neue Mutation gezüchtet, eine rattengiftresistente. Ich müsste täglich saugen, aber mein Rücken lässt grad gar nichts zu, verdammter Mist. Ich brauche ne Pause und ne Lösung, wie schmeiße ich Murphy nur wieder raus?

Siglinde Reck

Nürnberg im Jahr 1997

Der Schlachthof in St. Leonhard wird abgerissen. Es sollen dort Sozialwohnungen und ein Kulturladen entstehen.
Zurück bleibt eine scheinbar leere Fläche, aber sie ist durchtränkt vom Blut der geschlachteten Tiere, hauptsächlich Schweine.

In Erinnerung an unsere Seelen brachten die Menschen im Kulturladen viele kleine Schweinchen, teils aus Plastik, teils aus Ton, mit.

Ich war das Schönste: rot, mit weißen Tupfen. Und wir durften uns überall auf den Regalen ausbreiten.

Dann wechselte der Pächter. Die Nachfolger waren Türken, die essen kein Schweinefleisch, und so wurden wir in einen Karton gepackt und in den Keller gestellt.

Auch ich! Was bin ich für eine arme Sau!

Marita Hecker

Im Weg stehen

A arme Wurscht bin ich scho, weil ich immer vergess, dass ich mir im Weg steh.
Ständig will ich andere übergehen oder wegschubsen, dabei sind die meist gar nicht da.

Jörg Knapp

Treue heißt auch trauen

Ohne Vertrauen kann es keine Treue geben.
Das ist eine schwierige Voraussetzung.

Steve Zeuner

Schal und Fahne

Treue bedeutet für mich zu meinem Verein zu stehen. Egal wie sie spielen. Mein Verein ist 1860 München, man nennt sie auch die Löwen. Das ist eine Treue ohne Eid und Schwur, auch ohne festgeschriebene Verpflichtung, oder wie man das sonst beschreiben mag. Es ist eine Treue auf ewig und immer. Ähnlich wie eine Ehe, aber ohne Hochzeit, Ring und auch ohne Scheidung. Man ist mit dem Verein eben verbunden. Deshalb fahre ich möglichst zu jedem Spiel und habe auch Schal und Fahne.

Andy Schütze