KREUZERVERHÖR: Volker Heissmann x Karl-Heinz Schmidt

KREUZERVERHÖR
Volker Heissmann x Karl-Heinz Schmidt

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e.V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Grüner Brauhaus!
Strassenkreuzer_Volker Heissmann x KK Schmidt)

Karl-Heinz Schmidt: Wie bist du eigentlich damals zur Comödie gekommen?

Volker Heißmann: Im Saal des alten Berolzheimerianums habe ich als Bub einen meiner ersten Auftritte gehabt. Ich hab’ später immer gesagt, dass ich diesen wunderschönen Saal renovieren würde, falls ich mal im Lotto gewinne. Im Lotto gewonnen habe ich nicht. Den Umbau, der damals vor 20 Jahren vier Millionen Mark gekostet hat, haben wir zu viert dank eines Kredites nahezu ohne Sicherheiten unsererseits trotzdem hin bekommen – Martin Rassau, Michael Urban, Marcel Gasde und ich.

Karl-Heinz Schmidt: Was wäre denn gewesen wenn das nicht geklappt hätte?

Volker Heißmann: Dann hätte es sein können, dass ich außer Schulden nichts mehr habe. All unsere Ersparnisse und noch viel mehr haben wir in das Projekt gesteckt. Deswegen bin ich immer sehr demütig wenn ich dich sehe. Du hast trotz deines Lebensschicksaals dein Lachen und deinen Mut nicht verloren. Und du hast immer ein freundliches Wort für die Leute, auch wenn sie nichts kaufen.

Karl-Heinz Schmidt: Weißt du, was mich fast täglich zum Lachen bringt? Die Leute dort, wo ich verkaufe. Neulich war da ein Mädchen, ziemlich jung, aber schon ganz schön aufgetakelt. Die hatte einen Rock an. Der Wind, der uns schon mächtig zu schaffen machte, sorgte dafür, dass sie stinksauer wurde, weil kaum mehr was an ihr so aussah, wie sie es sich wahrscheinlich morgens überlegt hatte

Volker Heißmann: Du bist also eher der Beobachter?

Karl-Heinz Schmidt: Naja, man verkauft ja nicht die Welt am Tag. Die meiste Zeit kannst du schon schauen, was um dich rum passiert

Volker Heißmann: Mir fällt da auch gerade eine Geschichte ein, die wir neulich zusammen erlebt haben, als ich bei dir auf ein Schwätzchen gestanden bin: Kommt eine Frau aus dem Müller, voll mit Tüten bepackt. Du bist ja eher abwartend, wenn du jemanden nicht kennst. Sie hat aber deinen Blick gesehen und gesagt: „Ey, kann nix kaufen, hab’ kein Geld einstecken“. Das war wie im Sketch.

Karl-Heinz Schmidt: Na, da muss man ja lachen, was soll man sonst tun?

Volker Heißmann: Das ist genau die Situationskomik, die mich auch zum Lachen bringt.

Karl-Heinz Schmidt: Böse bin ich aber keinem, wenn er nichts kaufen will.

Volker Heißmann: Das mag ich so an dir. Und das ist was, das einem hier in Fürth eh häufig begegnet. Die Leute sind geradeheraus und ehrlich. Wenn einer nix kaufen will, sagt er es halt, böse ist man ihm trotzdem nicht. Und wenn es wirklich drauf ankommt, sind wir Fürther wahnsinnig hilfsbereit und halten zusammen!

Der Komödiant, Schauspieler, Sänger und Thea­terdirektor Volker Heißmann, Jahrgang 1969, ist gebürtiger Fürther und lebt sehr gerne hier. Groß geworden ist er in der St. Pauls­Gemeinde, sei­ne Kantorin hat ihm dort Singen und Musizieren (Klavier, Orgel, Trompete, Posaune) beigebracht. Ebenfalls mit vollem Herzen ist er seit letztem Jahr Vizepräsident der Spielvereinigung Greuther Fürth und nimmt auch Karl­Heinz Schmidt hin und wie­der mit zu einem Spiel. Die beiden kennen sich.

Karl-Heinz Schmidt wurde 1956 in Fürth geboren und ist mit Leib und Seele hier verwurzelt. Seit 2007 verkauft er den Straßenkreuzer in der Fürther Fußgängermeile vor dem Müller (Schwabacher Straße). Davor hatte er unter anderem als Möbel­packer, Heizungsbauer und Installateur gearbeitet und, bis sein Kreuz nicht mehr mitgemacht hat, halb Europa gesehen. Alleine in Paris war er vier­mal und hat viele gute Erinnerungen an die Stadt der Liebe.

☞23.5.

Es darf gelacht und gekauft werden: Am Donnerstag, den 23. Mai von 11 bis 12 Uhr  werden Volker Heißmann und Karl-Heinz Schmidt gemeinsam vor dem Müller-Markt an der Schwabacher Str. 28-30 in Fürth den Straßenkreuzer anbieten – gute Stimmung inklusive.

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de