KREUZERVERHÖR: Patrick Reimer x Sami Karatas

KREUZERVERHÖR
Patrick Reimer x Sami Karatas

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab in der Arena!
Kreuzerverhör Patrick Reimer x Sami Karatas KLEIN

Sami Karatas: Hat der Herr Reimer eine Familie?

Patrick Reimer: Der Herr Reimer ist der Patrick zuerst mal.

Sami Karatas (lacht): Ok. Ist der Patrick verheiratet und hat Kinder?

Patrick Reimer: Ich hab eine Frau, die auch aus der Heimat im Unterallgäu kommt, aber noch keine Kinder. Das ist aber geplant. Seit 13 Jahren begleitet sie mich von Standort zu Standort, wo ich gerade spiele. Bevor wir nach Nürnberg gekommen sind, waren wir einige Jahre in Düsseldorf.

Sami Karatas: Wie lange spielt der Patrick schon Eishockey?

Patrick Reimer: Ich habe mit drei Jahren das Schlittschuhlaufen gelernt, mit vier Jahren stand ich zum ersten Mal mit einer Mannschaft auf dem Eis. Der ältere von meinen beiden Brüdern hat auch Eishockey gespielt, dem wollte ich unbedingt nacheifern damals. Das ist aber jetzt wirklich schon lange her.

Sami Karatas: Also bist Du quasi seit 32 Jahren auf dem Eis?

Patrick Reimer: Ja genau. Und jetzt im fünfzehnten Jahr in der ersten Liga. Das ist schon eine gewisse Zeit. Aber sag mal, jetzt Du. Was war der Grund, dass Du nach Deutschland gekommen bist?

Sami Karatas: Meine Eltern sind 1972 nach Deutschland emigriert. Ich bin aber zuerst mit meiner Schwester zusammen bei Verwandten in der Türkei geblieben, auch weil wir einfach noch sehr klein waren. Meine Mutter wollte uns eigentlich gleich mitnehmen, aber mein Papa hat sich damals durchgesetzt mit seinem Wunsch, dass wir bleiben sollten. Sieben Jahre später war es dann aber soweit.

Patrick Reimer: Hast Du selbst Familie?

Sami Karatas: Ich war mal verheiratet, bin geschieden und Vater von drei Jungs, die zwischen 20 und 26 Jahre alt sind und bei der Mutter leben.

Patrick Reimer: Hast Du da noch Kontakt?

Sami Karatas: Ja, aber nicht so viel, um ehrlich zu sein. Der eine studiert noch, der andere hat schon ausgelernt und arbeitet, der dritte ist in Ausbildung. Sie leben in Ansbach.

Patrick Reimer: Interessierst Du Dich überhaupt für Sport?

Sami Karatas: Früher habe ich selbst viel Sport gemacht, Fitness und Taekwondo – sogar bis zum grünen Gürtel. Fußball habe ich auch gespielt, aber ich durfte nicht in dieselbe Mannschaft wie meine ganzen Freunde damals, weil ich ein Jahr zu alt für deren Altersklasse war. Dann habe ich das halt wieder sein gelassen … Was geht Dir eigentlich so durch den Kopf, wenn Du daran denkst, dass wir beide im Februar Straßenkreuzer verkaufen?

Patrick Reimer: Geil! Ich bin gespannt darauf, wie ein Tag beim Sami ausschaut. Ich will da auch nicht nur eine halbe Stunde für ein Foto dabei sein, sondern tatsächlich auch miterleben, wie das über einen längeren Zeitraum ist. Ich frage mich zum Beispiel, wie man mit der ständigen Ignoranz umgeht, die man als Straßenkreuzer-Verkäufer erlebt. Erzähl mal, wie schaut das aus bei Dir, wenn Du verkaufst?

Sami Karatas: Ich komme an meinen Platz, baue meinen Stand auf, so dass alles gut sichtbar ist und schön ausschaut. Ein, zwei Hefte halte ich meistens in der Hand. Und ich lächle die Passanten an. Das finde ich wichtig. Manchmal entwickelt sich so auch ein Gespräch oder ich werde gefragt, was der Straßenkreuzer überhaupt ist. Wenn ich abends im Bahnhof verkaufe, da ist es dann manchmal ganz schön krass mit den ganzen Junkies und Alkoholikern. Das macht mich traurig, diese Menschen so leiden zu sehen..

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Seit fast sieben Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Allgäuer Patrick Reimer (36) in Nürnberg. Schön und praktisch: die Mixtur aus großstädtischem und heimeligem Ambiente. Sein Lieblingsplatz ist – natürlich – das Eisstadion. Hier verbringt der Torschützenkönig, „Spieler des Jahres der DEL“ und Silbermedaillengewinner der Olympischen Winterspiele 2018 die meiste Zeit mit seinen Kollegen und Freunden von den Nürnberg Ice Tigers und hat an seiner Berufsausübung auch nach all den Jahren vor allem eines: Spaß.

Der 48-jährige Sami Karatas ist in der Türkei geboren und Ende der 1970er nach Ansbach gekommen. Vor fünf Jahren zog er nach Nürnberg, weil er etwas mehr Großstadt um sich herum haben wollte. Straßenkreuzer- Verkäufer ist er seit drei Jahren, man findet ihn von Donnerstag bis Samstag tagsüber bei der Lorenzkirche, abends verkauft er im Hauptbahnhof weiter, wo mehr los ist. In seiner Freizeit geht er zum Abschalten gerne mal am Dutzendteich spazieren, am Wochenende findet man ihn in der Altstadt immer wieder auf der Suche nach Schwätzchen und guter Gesellschaft.

☞23.2.

Wie so ein Tag als Straßenkreuzer-Verkäufer aussieht, wird Patrick Reimer bald persönlich erleben dürfen: Am Samstag, 23. Februar von 14-16 Uhr betritt der Profi eine andere Arena und assistiert Sami Karatas beim Verkauf an der Lorenzkirche (Pfannenschmiedsgasse). Ob er Zeit haben wird, „Gretzkys Büro“ und „Bauerntrick“ zu erklären? Finden Sie’s raus! 

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de