Straßenkreuzer Uni: Brave Bürger dank Big Brother am 09.05.2019

Straßenkreuzer Uni am 09.05.2019 

Brave Bürger dank Big Brother? 

Rund 40 Besucher haben sich im Caritas-Pirckheimer-Haus eingefunden, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Mit „Big Brother“ ist die chinesische Regierung gemeint, die bis 2020 alle verfügbaren Datenbanken miteinander verbinden möchte. Um so für jeden der 1,4 Milliarden Bürger ein punktebasiertes Ranking zu erstellen. Erfasst wird: alles. 

Das Verblüffende jedoch ist, erklärt Harald Baumer, Leiter des Hauptstadtbüros der Nürnberger Nachrichten, dass 80 Prozent der Chinesen hinter dem Sozialkreditsystem stehen. Viele begreifen die klar reglementierten Verhaltensnormen als Chance, ihren sozialen Status aktiv verbessern zu können. 

Auch in Deutschland existieren Überwachungstendenzenüber die im Anschluss an Baumers Vortrag angeregt, aber auch sehr kritisch diskutiert wird. 

Text: Susanne Thoma 
Bilder: Siglinde Reck und Walter Schindler 
21/05/2019

Straßenkreuzer Uni: Fast Food auf fränkisch am 07.05.2019

Straßenkreuzer Uni am 07.05.2019 

Fast Food auf Fränkisch 

Es sind kaum zehn Minuten vergangen, schon macht sich in der Küche der Evangelischen Familien-Bildungsstätte geschäftiges Gemurmel breit. In gelöst-fleißiger Atmosphäre wird geschnippelt, gewaschen, geputzt, zubereitet und angerichtet. Das Kommando führt Rainer Mörtel, der jeden Einzelnen zuvor mit Handschlag begrüßt hatte, nun mit allen per Du ist und sichtlich Spaß am gemeinsamen Werkeln hat. 

Es gibt Wraps. Die kann man auch zuhause schnell und einfach zubereiten, mit allem, was der Kühlschrank gerade hergibt. Bei uns ist das Einigesgemischter Salat, Paprika, Tomaten, Giggala, MozzarellaFeta, Basilikum, Lachs, Geschnetzeltes, verschiedene Sen, Aufschnitt, Antipasti, … Und so geht´s: Wrap einsoßen, ordentlich, bis zum Rand und mit Allem belegen, was einen anlacht. Dann: hinten einklappen, rollern, essen – fränkisches Sushi eben. Dass es schmeckt, beweist die Schlange am Buffet. Die reißt erst ab, als alle 27 Esser satt sind. 

Text: Susanne Thoma 
Bilder: Jessica Geert, Walter Schindler und Thomas SlawikSusanne Thoma 
21/05/2019

Straßenkreuzer Uni: Landwirtschaft von morgen am 02.05.2019

Straßenkreuzer Uni am 02.05.2019 

Landwirtschaft von morgen 

Wie können im Jahr 2050 etwa 10 Milliarden Menschen ernährt werden? Um einer Antwort auf diese Frage näher zu kommen, haben sich 27 Hörerinnen und Hörer im Christine-Kreller-Haus der Stadtmission eingefunden und lauschen aufmerksam dem spannenden Vortrag von Prof. Dr. Peter Breunig von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. 

Wir lernen, dass das Thema Welternährung schon im 18. Jahrhundert kontrovers diskutiert wurde. Damals wie heute ähneln sich die Positionen: Ein Lager möchte landwirtschaftliche Erträge durch technologische Neuerungen steigern. Das andere übt Wachstumskritik und ruft dazu auf, das eigene Verhalten zu hinterfragen. 

Bei gleichbleibendem Konsumverhalten müsste die Lebensmittelproduktion um 50 Prozent steigen, damit die Ernährung der Weltbevölkerung 2050 gewährleistet istDafür muss ein Konsens her, wie Flächen zukünftig genutzt werden. Potenzial steckt aber auch in der Präzisionslandwirtschaft, die dank Digitalisierung weniger Dünger und Pestizide einsetztder Genschere CRISPR/Cas9 sowie der Forschung zu alternativen Proteinen. 

Tatsächlich wäre es rein rechnerisch auch möglich, die Weltbevölkerung 2050 ökologisch zu ernähren. Vorausgesetzt, es würde kein Getreide mehr verfüttert, womit gleichzeitig auch der Konsum von Fleisch und Milchprodukten sänke. 

 

Text: Susanne Thoma 
Fotos: Barbara Kressmann und Walter Schindler 
21/05/2019

Straßenkreuzer Uni: Frisches vom Gewächshaus am 25.4.2019

Straßenkreuzer Uni am 25.4.2019

Frisches vom Gewächshaus

Mit einem erfrischenden Biss in eine knackige Snackgurke starten wir in das Sommersemester und sind gleich mittendrin im Thema Gut essen. 

Bei sommerlich warmen Temperaturen und vor 26 interessierten Hörern zeigt uns Johannes Höfler den Gartenbaubetrieb seiner Familie, die auf einer Fläche von vier Hektar Fruchtgemüse unter Glas produziert. 

Höflerder schon mit 12 Jahren wusste, dass er den elterlichen Betrieb übernehmen möchte, ist mittlerweile Vorsitzender des Gemüseerzeugerverbandes Knoblauchsland, Betriebsleiter und Experte für den Tomatenanbau. 

Im Gewächshaus erklärt er uns den Reifeprozess der Tomaten, wie sie gepflegt, gedüngt und bewässert werden. Wir beobachten „Gemüse-Pfleger“ bei der Arbeitbekommen Antworten auf unzählige Fragen und einen Einkaufstipp: Egal, ob man biologisch oder konventionell produziertes Obst und Gemüse vorzieht, Hauptsache, man kauft regional! 

 

Text: Susanne Thoma 
Fotos: Barbara Kressmann, Susanne Thoma und Walter Schindler 
02/05/2019

KREUZERVERHÖR: Volker Heissmann x Karl-Heinz Schmidt

KREUZERVERHÖR
Volker Heissmann x Karl-Heinz Schmidt

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e.V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Grüner Brauhaus!
Strassenkreuzer_Volker Heissmann x KK Schmidt)

Karl-Heinz Schmidt: Wie bist du eigentlich damals zur Comödie gekommen?

Volker Heißmann: Im Saal des alten Berolzheimerianums habe ich als Bub einen meiner ersten Auftritte gehabt. Ich hab’ später immer gesagt, dass ich diesen wunderschönen Saal renovieren würde, falls ich mal im Lotto gewinne. Im Lotto gewonnen habe ich nicht. Den Umbau, der damals vor 20 Jahren vier Millionen Mark gekostet hat, haben wir zu viert dank eines Kredites nahezu ohne Sicherheiten unsererseits trotzdem hin bekommen – Martin Rassau, Michael Urban, Marcel Gasde und ich.

Karl-Heinz Schmidt: Was wäre denn gewesen wenn das nicht geklappt hätte?

Volker Heißmann: Dann hätte es sein können, dass ich außer Schulden nichts mehr habe. All unsere Ersparnisse und noch viel mehr haben wir in das Projekt gesteckt. Deswegen bin ich immer sehr demütig wenn ich dich sehe. Du hast trotz deines Lebensschicksaals dein Lachen und deinen Mut nicht verloren. Und du hast immer ein freundliches Wort für die Leute, auch wenn sie nichts kaufen.

Karl-Heinz Schmidt: Weißt du, was mich fast täglich zum Lachen bringt? Die Leute dort, wo ich verkaufe. Neulich war da ein Mädchen, ziemlich jung, aber schon ganz schön aufgetakelt. Die hatte einen Rock an. Der Wind, der uns schon mächtig zu schaffen machte, sorgte dafür, dass sie stinksauer wurde, weil kaum mehr was an ihr so aussah, wie sie es sich wahrscheinlich morgens überlegt hatte

Volker Heißmann: Du bist also eher der Beobachter?

Karl-Heinz Schmidt: Naja, man verkauft ja nicht die Welt am Tag. Die meiste Zeit kannst du schon schauen, was um dich rum passiert

Volker Heißmann: Mir fällt da auch gerade eine Geschichte ein, die wir neulich zusammen erlebt haben, als ich bei dir auf ein Schwätzchen gestanden bin: Kommt eine Frau aus dem Müller, voll mit Tüten bepackt. Du bist ja eher abwartend, wenn du jemanden nicht kennst. Sie hat aber deinen Blick gesehen und gesagt: „Ey, kann nix kaufen, hab’ kein Geld einstecken“. Das war wie im Sketch.

Karl-Heinz Schmidt: Na, da muss man ja lachen, was soll man sonst tun?

Volker Heißmann: Das ist genau die Situationskomik, die mich auch zum Lachen bringt.

Karl-Heinz Schmidt: Böse bin ich aber keinem, wenn er nichts kaufen will.

Volker Heißmann: Das mag ich so an dir. Und das ist was, das einem hier in Fürth eh häufig begegnet. Die Leute sind geradeheraus und ehrlich. Wenn einer nix kaufen will, sagt er es halt, böse ist man ihm trotzdem nicht. Und wenn es wirklich drauf ankommt, sind wir Fürther wahnsinnig hilfsbereit und halten zusammen!

Der Komödiant, Schauspieler, Sänger und Thea­terdirektor Volker Heißmann, Jahrgang 1969, ist gebürtiger Fürther und lebt sehr gerne hier. Groß geworden ist er in der St. Pauls­Gemeinde, sei­ne Kantorin hat ihm dort Singen und Musizieren (Klavier, Orgel, Trompete, Posaune) beigebracht. Ebenfalls mit vollem Herzen ist er seit letztem Jahr Vizepräsident der Spielvereinigung Greuther Fürth und nimmt auch Karl­Heinz Schmidt hin und wie­der mit zu einem Spiel. Die beiden kennen sich.

Karl-Heinz Schmidt wurde 1956 in Fürth geboren und ist mit Leib und Seele hier verwurzelt. Seit 2007 verkauft er den Straßenkreuzer in der Fürther Fußgängermeile vor dem Müller (Schwabacher Straße). Davor hatte er unter anderem als Möbel­packer, Heizungsbauer und Installateur gearbeitet und, bis sein Kreuz nicht mehr mitgemacht hat, halb Europa gesehen. Alleine in Paris war er vier­mal und hat viele gute Erinnerungen an die Stadt der Liebe.

☞23.5.

Es darf gelacht und gekauft werden: Am Donnerstag, den 23. Mai von 11 bis 12 Uhr  werden Volker Heißmann und Karl-Heinz Schmidt gemeinsam vor dem Müller-Markt an der Schwabacher Str. 28-30 in Fürth den Straßenkreuzer anbieten – gute Stimmung inklusive.

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de