Straßenkreuzer Uni: Ein Hoch auf das beste Semester

Ein Hoch aufs beste Semester – Mit 451 Hörern in 14 Veranstaltungen geht das Wintersemester 2018/19 als das bislang erfolgreichste in die nunmehr neunjährige Geschichte der Straßenkreuzer Uni ein. Das Abschlussfest mit Hörern, Dozenten, Partnern und Unterstützern wurde traditionell in den Räumen der Heilsarmee Sozialwerk gefeiert, der größten Einrichtung für Wohnungslose in Nordbayern. Justizpressesprecher Friedrich Weitner, der im Rahmen des sehr gut besuchten Themenkomplexes „Die Schwere der Schuld“ als Dozent den Weg zur Urteilsfindung erklärt hatte, überreichte 50 Urkunden an besonders engagierte Teilnehmer. Straßenkreuzer-Vorstand Walter Grzesiek konnte zuvor in seiner kurzen Ansprache rund 80 Gäste begrüßen. Michael Feuerlein, Sozialpädagoge bei der Heilsarmee, betonte in seiner Hörerrede, wie sehr die Straßenkreuzer Uni helfe den Horizont zu erweitern. Die „Mochas“ spielten feine Balladen, unter der souveränen Regie von Heilsarmee-Majorin Marie-Luise Schröder bedienten sich rund 70 Gäste an tollen Suppen, belegten Brötchen und Blechkuchen (gespendet von Der Beck). Ende April startet die Straßenkreuzer Uni ins Sommersemester.  

 

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02/02/2019

KREUZERVERHÖR: Pius Maria Cüppers x Brigitte Krasnici

KREUZERVERHÖR
Pius Maria Cüppers x Brigitte Krasnici‌

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab im Schauspielhaus!
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Brigitte Krasnici: Zauberer und Schauspieler, das klingt recht lustig. Was haben Sie denn als Hobby, wenn Sie sonst immer Spaß machen?

Pius Maria Cüppers: Mein Zweitberuf ist ja die Zauberkunst, das ist eigentlich Hobby und Beruf in einem. Und die Schauspielerei ist auch mehr als ein Beruf. Es ist eigentlich eine Berufung. Wir haben gestern eine Komödie gespielt und die Zuschauer haben sehr, sehr gelacht. Das ist für mich das Schönste, wenn ich die Menschen berühren und zum Lachen bringen kann. Abgesehen davon habe ich letztes Wochenende Weihnachtsplätzchen gebacken und mich dabei in den Finger geschnitten. Mich würde interessieren, was Sie hierher verschlagen hat?

Brigitte Krasnici: Ich war vorher verheiratet, wir haben uns – auch, weil mein Mann spielsüchtig war – scheiden lassen, dann aber wieder zusammen gefunden. Wegen ihm bin ich dann nach Nürnberg gezogen, denn mein Mann war der Straßenkreuzer-Verkäufer Reinhard Semtner. Er ist vor ein paar Jahren verstorben.

Pius Maria Cüppers: Wie sind Ihre Erfahrungen als Straßenkreuzer- Verkäuferin?

Brigitte Krasnici: Ich beobachte viel die Menschen, die am Bahnhof vorbei laufen, und denke manchmal, wie gut ich es trotz allem noch habe. Ich habe einen ordentlichen Haushalt und achte auf mich. Viele Leute gehen einfach vorbei und bemerken mich nicht. Geholfen hat es mir, Musik anzumachen, moderne Musik, um die Jugend anzulocken. Die soll ja auch mal ein bisschen nachdenken. Es geht nicht jedem so gut. Wenn ich sehe, wie die gegenüber zum Subway gehen und sich da ordentlich einen rein hauen. Da kostet der Basic Sandwich schon 4 Euro. Und dann haben sie noch ihre Extrawünsche und landen bei 7 Euro. Da frage ich mich schon, wie gut es der Jugend eigentlich geht?

Pius Maria Cüppers: Man macht sich als Jugendlicher vielleicht nicht so viele Gedanken und denkt, die Rente erreiche ich eh nie.

Brigitte Krasnici: Wir waren glaube ich genauso. Wo gehen Sie denn besonders gerne essen?

Pius Maria Cüppers: Was ich so toll finde an Nürnberg, ist, dass es für jede Richtung von griechisch über japanisch bis französisch und natürlich fränkisch ein tolles Lokal gibt. In Düsseldorf war das nicht so einfach. Da gibt es die Königsallee, die ist so ein wenig schickimicki, und die Altstadt, da ist es zu touristisch. Nürnberg ist da viel besser. Die schöne Biergartenatmosphäre hier, die gibt es im Rheinland auch nicht so. Was essen Sie denn besonders gerne?

Brigitte Krasnici: Schäufele. Ich hab immer gesagt, Schäufele ist in Nürnberg das wo man nichts falsch machen kann. Das kriegen alle so hin wie es sich gehört. Was halten Sie eigentlich vom Straßenkreuzer?

Pius Maria Cüppers: Ich finde das ist eine tolle Zeitschrift, ein gut gemachtes Blatt. Wenn ich in drei Jahren in Rente gehe und müsste, würde ich auch Straßenkreuzer verkaufen.

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Vor 17 Jahren kam Brigitte Krasnici aus der Magdeburger Gegend nach Nürnberg. Vor allem am Stadtpark hat die 69-Jährige schnell Gefallen gefunden. Mit dem
Verkauf des Straßenkreuzers bessert sie ihre Rente auf. Fast täglich findet man sie ab dem späten Vormittag am Eingang zur Königstorpassage am Hauptbahnhof.

Pius Maria Cüppers ist 62 Jahre alt, Kammerschauspieler und wurde 1997 Weltmeister im Comedy-Zaubern. Der gebürtige Düsseldorfer ist Schauspieler am Staatstheater und wird dort bis zu seiner Rente Theater spielen. Gerne geht er ins Kino – am liebsten aber gut essen. In dieser Spielzeit ist er unter anderem in der „Komödie mit Banküberfall“, einem „Unfug à la Monty Python“, und beim Nürnberger Liederabend „Die Musik war schuld“ zu sehen.

☞18.1.

Pius Maria Cüppers verkauft auch schon vor seiner Rente den Straßenkreuzer – zusammen mit Brigitte Krasnici. Finden und besuchen Sie die beiden gerne am Freitag, 18. Januar zwischen 15 und 17 Uhr am Hauptbahnhof, Ausgang Königstorpassage. Ob er zaubern wird? Lassen Sie sich überraschen!

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de

KREUZERVERHÖR: Patrick Reimer x Sami Karatas

KREUZERVERHÖR
Patrick Reimer x Sami Karatas

Zum 25. Jubiläum des Straßenkreuzer e. V. bringen wir Menschen zusammen, die einiges gemeinsam haben – und doch ein Leben trennt. Denn sowohl unsere Verkäuferinnen und Verkäufer als auch prominente Personen der Region stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit. Nur die Gründe könnten unterschiedlicher nicht sein. Für unser Magazin lernen sich im Jubiläumsjahr immer zwei von ihnen kennen, stellen sich einmal im Monat gemeinsam in die Öffentlichkeit – und erst im Heft einander und später nur zu gerne Ihren Fragen. Wann und wo Sie unsere in jeder Hinsicht prominenten Verkäufer besuchen können, finden Sie immer am Ende des Interviews. Jetzt aber erstmal: Ton ab in der Arena!
Kreuzerverhör Patrick Reimer x Sami Karatas KLEIN

Sami Karatas: Hat der Herr Reimer eine Familie?

Patrick Reimer: Der Herr Reimer ist der Patrick zuerst mal.

Sami Karatas (lacht): Ok. Ist der Patrick verheiratet und hat Kinder?

Patrick Reimer: Ich hab eine Frau, die auch aus der Heimat im Unterallgäu kommt, aber noch keine Kinder. Das ist aber geplant. Seit 13 Jahren begleitet sie mich von Standort zu Standort, wo ich gerade spiele. Bevor wir nach Nürnberg gekommen sind, waren wir einige Jahre in Düsseldorf.

Sami Karatas: Wie lange spielt der Patrick schon Eishockey?

Patrick Reimer: Ich habe mit drei Jahren das Schlittschuhlaufen gelernt, mit vier Jahren stand ich zum ersten Mal mit einer Mannschaft auf dem Eis. Der ältere von meinen beiden Brüdern hat auch Eishockey gespielt, dem wollte ich unbedingt nacheifern damals. Das ist aber jetzt wirklich schon lange her.

Sami Karatas: Also bist Du quasi seit 32 Jahren auf dem Eis?

Patrick Reimer: Ja genau. Und jetzt im fünfzehnten Jahr in der ersten Liga. Das ist schon eine gewisse Zeit. Aber sag mal, jetzt Du. Was war der Grund, dass Du nach Deutschland gekommen bist?

Sami Karatas: Meine Eltern sind 1972 nach Deutschland emigriert. Ich bin aber zuerst mit meiner Schwester zusammen bei Verwandten in der Türkei geblieben, auch weil wir einfach noch sehr klein waren. Meine Mutter wollte uns eigentlich gleich mitnehmen, aber mein Papa hat sich damals durchgesetzt mit seinem Wunsch, dass wir bleiben sollten. Sieben Jahre später war es dann aber soweit.

Patrick Reimer: Hast Du selbst Familie?

Sami Karatas: Ich war mal verheiratet, bin geschieden und Vater von drei Jungs, die zwischen 20 und 26 Jahre alt sind und bei der Mutter leben.

Patrick Reimer: Hast Du da noch Kontakt?

Sami Karatas: Ja, aber nicht so viel, um ehrlich zu sein. Der eine studiert noch, der andere hat schon ausgelernt und arbeitet, der dritte ist in Ausbildung. Sie leben in Ansbach.

Patrick Reimer: Interessierst Du Dich überhaupt für Sport?

Sami Karatas: Früher habe ich selbst viel Sport gemacht, Fitness und Taekwondo – sogar bis zum grünen Gürtel. Fußball habe ich auch gespielt, aber ich durfte nicht in dieselbe Mannschaft wie meine ganzen Freunde damals, weil ich ein Jahr zu alt für deren Altersklasse war. Dann habe ich das halt wieder sein gelassen … Was geht Dir eigentlich so durch den Kopf, wenn Du daran denkst, dass wir beide im Februar Straßenkreuzer verkaufen?

Patrick Reimer: Geil! Ich bin gespannt darauf, wie ein Tag beim Sami ausschaut. Ich will da auch nicht nur eine halbe Stunde für ein Foto dabei sein, sondern tatsächlich auch miterleben, wie das über einen längeren Zeitraum ist. Ich frage mich zum Beispiel, wie man mit der ständigen Ignoranz umgeht, die man als Straßenkreuzer-Verkäufer erlebt. Erzähl mal, wie schaut das aus bei Dir, wenn Du verkaufst?

Sami Karatas: Ich komme an meinen Platz, baue meinen Stand auf, so dass alles gut sichtbar ist und schön ausschaut. Ein, zwei Hefte halte ich meistens in der Hand. Und ich lächle die Passanten an. Das finde ich wichtig. Manchmal entwickelt sich so auch ein Gespräch oder ich werde gefragt, was der Straßenkreuzer überhaupt ist. Wenn ich abends im Bahnhof verkaufe, da ist es dann manchmal ganz schön krass mit den ganzen Junkies und Alkoholikern. Das macht mich traurig, diese Menschen so leiden zu sehen..

Kreuzerverhör Patrick Reimer x Sami Karatas 1 KLEIN

Seit fast sieben Jahren lebt und arbeitet der gebürtige Allgäuer Patrick Reimer (36) in Nürnberg. Schön und praktisch: die Mixtur aus großstädtischem und heimeligem Ambiente. Sein Lieblingsplatz ist – natürlich – das Eisstadion. Hier verbringt der Torschützenkönig, „Spieler des Jahres der DEL“ und Silbermedaillengewinner der Olympischen Winterspiele 2018 die meiste Zeit mit seinen Kollegen und Freunden von den Nürnberg Ice Tigers und hat an seiner Berufsausübung auch nach all den Jahren vor allem eines: Spaß.

Der 48-jährige Sami Karatas ist in der Türkei geboren und Ende der 1970er nach Ansbach gekommen. Vor fünf Jahren zog er nach Nürnberg, weil er etwas mehr Großstadt um sich herum haben wollte. Straßenkreuzer- Verkäufer ist er seit drei Jahren, man findet ihn von Donnerstag bis Samstag tagsüber bei der Lorenzkirche, abends verkauft er im Hauptbahnhof weiter, wo mehr los ist. In seiner Freizeit geht er zum Abschalten gerne mal am Dutzendteich spazieren, am Wochenende findet man ihn in der Altstadt immer wieder auf der Suche nach Schwätzchen und guter Gesellschaft.

☞23.2.

Wie so ein Tag als Straßenkreuzer-Verkäufer aussieht, wird Patrick Reimer bald persönlich erleben dürfen: Am Samstag, 23. Februar von 14-16 Uhr betritt der Profi eine andere Arena und assistiert Sami Karatas beim Verkauf an der Lorenzkirche (Pfannenschmiedsgasse). Ob er Zeit haben wird, „Gretzkys Büro“ und „Bauerntrick“ zu erklären? Finden Sie’s raus! 

Interview: David Lodhi | freier Journalist
Foto: Claudia Holzinger | claudia-holzinger.de

Straßenkreuzer Uni: Aus Abfall wird Kunststoff

Heute besuchen die 19 Teilnehmer zur letzten Veranstaltung des Semesters das Müll-aufbereitungszentrum der Grünen Engel. Der Vertriebsleiter Florian Lankes und der Marketing Chef Martin Thieme begrüßen uns und zeigen auf, was auf dem 14 Hektar großen Gelände alles recycelt wird. Hier wird Elektroschrott sortiert, Holz wiederaufgearbeitet, Papier gewaschen und für die Neuproduktion wiederaufgewertet. Sie berichten, dass sie 50% mehr Kunststoffe verarbeiten als noch im Jahr 2000. Und dass es 9 Aufbereitungsanlagen, eine eigene LKW-Werkstatt und ein großes Bürogebäude gibt. Wichtig für die Anlage direkt hier im Hafenbecken sind die kurzen Transportwege. Die 900 000 Tonnen Abfälle, die bei den Grünen Engeln sortiert werden, kommen aus Nürnberg, Baden-Württemberg, Hessen, Österreich und Italien über den Hafen und mit LKWs. Früher wurde derartiger Müll auf Deponien gelagert, seit 2005 ist es verboten, brennbare Abfälle so zu verschaffen. Nun landen diese Abfälle bei den Grünen Engeln und werden hier für die Herstellung von Parkbänken, Tischen und Recycling-Baumaterialien verarbeitet. 

Text: Sandra Dichtl 
Fotos: Barbara Kressmann und Walter Schindler
23/01/2019

Straßenkreuzer Uni: Wir sollten weiter reden

Heute Nachmittag geht es um das kleine Wörtchen „muss“ in dem Workshop von Pierre Boisson zum Thema: Gewaltfreie Kommunikation. Die 28 Teilnehmer sind eingebunden und aufgefordert zu erzählen, was die Benutzung dieses Wortes in Sätzen wie: Ich muss meine Wohnung aufräumen“ in ihnen auslöst. Druck, Zwang, Pflicht und Forderung sind die Antworten. Alles, was man mit dem Wort MUSS unterlegt, kann keinen Spaß machen und ist nicht freiwillig. Wie können wir also ohne dieses zwangbelastete Wort in unserer Sprache auskommen? Alles was wir tun, sagt Boisson, tun wir aufgrund verschiedener Bedürfnisse. Das heißt, wenn wir aufräumen ist das eine Strategie für das Bedürfnis Ordnung. Uns bewusst zu machen, dass wir uns für Ordnung entschieden haben, können wir in unsere Formulierung einbauen. Wir können also sagen: „Ich entscheide mich, meine Wohnung aufzuräumen, weil es mir wichtig ist, Ordnung zu haben“Falls das Aufräumen dann immer noch keinen Spaß macht, rät Boisson, es mit Musik zu unterlegen oder mit der Familie zusammen aufzuräumen. Das probieren wir jetzt mal aus!

Text: Sandra Dichtl 
Fotos: Barbara Kressmann und Walter Schindler
23/01/2019