Mehr als eine Nummer

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Jürgen Knörr „ist drin“ im Netz, Bufdi Leo Frank freut‘s. Steffi Lenk vom Vertriebs-Team des Vereins hat die ersten Smartphones organisiert.

30 Jahre war Jürgen Knörr in Indien. Jetzt ist er zurück in Nürnberg, noch wohnungslos – aber bald nicht mehr ohne Anschluss. Denn der Verein Straßenkreuzer trägt mit seiner Initiative „Mehr als eine Nummer“ dazu bei, dass der Zugang zu Internet und Kommunikation für arme und dazu oft technikferne Menschen schwellenfrei wird – mit gespendeten Smartphones, einem Starterset und ein wenig Geduld.

Die Geduld braucht vor allem Leo Frank, unser Bundesfreiwilligendienstleistender, kurz Bufdi. Leo sitzt an diesem Vormittag mit Jürgen an einem großen Tisch und sichtet Smartphones. Drei Stück sind schon da, alle gespendet vom Team der Firma Genesis Umwelt Consult aus Schwabach. Wie so oft starten Projekte dank unkomplizierter Netzwerke. In diesem Fall über Steffi Lenk. Steffi arbeitet beim Mittelständler Genesis und seit ungefähr fünf Jahren in ihrer Freizeit ehrenamtlich im Vertriebs-Team des Straßenkreuzers. Ihre Kolleginnen und Kollegen bei Genesis tauschen, wie viele Zeitgenossen, ab und an ihr Smartphone gegen ein neueres. Ein paar ältere, funktionstüchtige Geräte hat Steffi als Spende mitgebracht.

Jürgen wählt sich eines mit grüner Schutzhülle aus – „die Farbe passt zu mir“. 67 Jahre ist er alt, in Indien hat er lange als Bettelmönch am Ganges gelebt (wir berichteten in 03/2021), jetzt hat er im Domus, Haus für Männer der Caritas, ein erstes Zuhause bekommen. „Das hab ich schon verstanden, dass man so was hier braucht“, sagt er über das Handy. Der 19-jährige Leo hat es inzwischen ans Ladekabel gesteckt, beginnt mit einer ersten Einführung – und landet sofort, na ja, Anfang der 1990er Jahre ungefähr. „SIM-Karte?“, fragt Jürgen, „was ist das?“. Flat, Router, WLAN? („Ach, ist das dieses WiFi, das an den indischen Cafés stand?“) – Leo muss immer wieder anders formulieren, was ihm sonst selbstverständliches Vokabular ist. Die beiden haben viel Spaß – „Das Wischen hab ich noch nicht drauf“, „Notruf gibt’s auch!“. Leo freut sich, dass Jürgen mit dem Berührbildschirm (Leo: „Touchscreen“) bald klarkommt. Nächstes Mal bringt er seinen druckfrischen Personalausweis mit. Dann holen die beiden ein Starterpaket vom Discounter plus erstes Guthaben – und dann meldet Jürgen sich mit seiner neuen E-Mail-Adresse an und ist hoffentlich bald selbstverständlich drin im weltweiten Netz. 

Der Verein Straßenkreuzer übernimmt die Startkosten und das erste Guthaben für die Smartphones aus Spendengeldern. Da einzig Bufdi Leo Frank für die Einführung zur Verfügung steht, bleibt „Mehr als eine Nummer“ ein kleines Projekt mit bis zu zehn Mobiltelefonen. Zehn Mal ein Symbol dafür, dass spätestens seit Corona klar ist, dass jeder Mensch befähigt werden sollte, an Information und Kommunikation teilhaben zu können. 

Text und Fotos: Ilse Weiß | strassenkreuzer.info

Hund und Hütte

Es gibt wieder 20 Plätze für Obdachlose mit Hunden in Nürnberg – Straßenkreuzer-Bericht gab den Anstoß für ein Konzept mit Trainern und Tierärzten

Hund oder Hütte – mit diesem Entweder-Oder ist in Nürnberg endlich wieder Schluss. Das Sozialamt hat ein geeignetes Objekt an der Bucher Straße gefunden, in dem nun 20 Plätze für obdachlose Männer und Frauen mit ihren Hunden zur Verfügung stehen. Mit den Johannitern wurde ein fachkundiger Partner gewonnen, der das innovative Angebot betreibt. Das Bayerische Sozialministerium fördert die Arbeit. Die Straßenkreuzer-Ausgabe „Hund oder Hütte“ vom Oktober 2019 hatte den Anstoß gegeben, ein neues, tragfähiges Konzept zu entwickeln.

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Stadtführung? – Aber sicher!

Stadtführung? – Aber sicher!
Weil persönliche Touren wegen Corona nicht gehen, gehen wir persönlich im Netz auf Tour

Der Straßenkreuzer bietet seit Monaten virtuelle Stadtführungen an. Anders und doch fast wie bei echten Touren vermittelt Schicht-Wechsel auch per Videokonferenz besondere Einblicke in die Themenbereiche Obdachlosigkeit, das Leben auf der Straße, Drogensucht und die Situation von Frauen in prekären Lebenslagen.

Als Einstieg eignet sich das Video „Strassenkreuzer – Virtuelle Stadtführung mit Klaus“, das auf Youtube zu finden ist.
Schon im Mai letzten Jahres hatten Fotografin Maria Bayer und Stadtführer Klaus Billmeyer das rasante Video als „Rad-Movie“ gedreht. Was damals als Anreger für unsere abwechslungsreichen Führungen gedacht war, ist nun eine gute Vorbereitung auf eine virtuelle Tour.

Ist der passende Schicht-Wechsel ausgewählt, wird zur gebuchten Zeit unsere Stadtführerin oder einer unserer Stadtführer zugeschaltet und nimmt Sie und euch in Beispielen und Erzählungen mit an Orte der Armut, Ausgrenzung und Hilfe. Fünf Männer und eine Frau sind Stadtführer – und alle Experten: Obdachlosigkeit, Drogenmissbrauch, Armut, scheitern und wieder aufstehen – jede und jeder hat etwas davon, und oft etwas mehr, schon selbst erlebt. Das ist gut. Denn so können Richie Steeger, Klaus Billmeyer, Thomas Kraft, Markus Wellein, Steve Zeuner und Ils Duman auf ihren echten und virtuellen Touren immer auch von sich erzählen und mit Teilnehmern ins Gespräch kommen. Das schafft Wissen auf beiden Seiten und damit Respekt und Augenhöhe. 

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Dauer, Kosten:
60 Minuten, Fixpreis: 80 Euro

Kontakt:
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oder 0911 217593-11
(Mo–Do zwischen 10–15 Uhr)

Straßenkreuzer CD Neunzehn

Erscheinungstermin: November 2020

Stückespender: Rathausturm Fürth, Kaufkraft, Pengertsratzn, Budde Thiem, Edda B. & Dieter Weberpals, Geneva, Quiet Streets, Hartz Angels, Maffai, Worst Advice, J.O.E., Maggie’s Madness, Muddy What?, Metropolski Cirkus Orkestar, Nun flog Dr. Bert Rabe, Trecker, Skull Sized Kingdoms, [LEAK], Evgenia Rubinova, Fischer&Rabe, Artur Muschaweck

Auflage: 1.000 Stück

Cover: Led Zeppelin „Led Zeppelin“

(Fotografie: Michael Matejka, Composing/Retusche: Bianca Scholz)
Bauerngurke aus dem Knoblauchsland

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