Straßenkreuzer

Das Sozialmagazin

Rückblick SS 2011

Das komplette Programm des Sommersemesters 2011 gibt es hier als Download.

Die Veranstaltungen im Sommersemester 2011:


13.7.2011: Fest zum Abschluss des Sommersemesters

Ein echtes Glücksgefühl schildert Hans-Jörg Ponath, als er beim Semesterabschlussfest der Straßenkreuzer Uni für die Hörer spricht: „Ich habe mich direkt angemeldet. Ohne Hemmschwelle, ohne Angst. Denn bei der Straßenkreuzer Uni ist es völlig egal, wo du herkommst, was du machst, oder gemacht hast, oder ob du Geld hast…“ Er ist einer von 335 Hörern, die im Sommersemester Vorträge und Lehrfahrten besucht, Glücksgerichte gekocht und Theater gespielt haben. 55 von ihnen wurden mit einer Urkunde – für eine abgeschlossene Themenreihe – ausgezeichnet (siehe Bild). Dann wurde im Haus Großweidenmühle gefeiert. Mit vielen Gesprächen, einem kräftigen Büfett und zarten Klängen des Gitarristen Armin Nembach und der Violinistin Carolin Fauer.
In den drei Semestern ihres Bestehens hat die Straßenkreuzer Uni damit schon 1200 Hörer gehabt. Unser bundesweit einmaliges Projekt mit dem Motto „Bildung für alle“ wollen wir im Wintersemester fortführen: Mit den schönen Themen Glaube, Schönheit und Mietrecht. Auch der Theaterworkshop entfaltet sich weiter.


8.7.2011: Einfach nur Glück gehabt?

„Ich möchte Euch was wegnehmen“, sagt Andreas Niedrig als Allererstes. Wegnehmen? Was kann ein Weltklasse-Triathlet den 41 Hörern der Straßenkreuzer Uni im Christine-Kreller-Haus der Stadtmission denn nehmen? „Die Möglichkeit, zu sagen: Ich kann das nicht, ich schaff’ das nicht.“ Der 44-Jährige, der trotz schwerer Knieverletzung nach Nürnberg gekommen ist, muss dazu nur aus dem eigenen Leben erzählen. „Ich habe auf der Straße gelebt und habe alles durchgemacht, was man sich vorstellen kann!“ Drogen, Entzug, Knastandrohung, Arbeitslosigkeit, Beziehungskrisen, schwere Krankheit. Andreas Niedrig hat sich immer wieder hochgerappelt, im Leben wie im Sport. Hat sich auf der Triathlonstrecke (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen) und beim Race Across America mit dem Rad in nicht einmal sieben Tagen über 4800 Kilometer durch die USA gequält. „Wer sagt, dass das Leben immer leicht sein muss?“, fragt er – und motiviert heute Menschen, an sich selbst zu glauben und nicht aufzugeben. Egal wie groß die Probleme sind. „Redet darüber, holt Euch Hilfe“.


6.7.2011: Wie funktioniert eine Band?

Selbst Kloßteig gehört zur Musik. Beim Auftritt der Kniedlasköpf, erinnert sich Bernd Galsterer (an der Gitarre), hatte seine frühere Band im Komm mit rohen Klößen jongliert und das Publikum beworfen. Das feuerte zurück – und traf auch in die Lautsprecher. Die Anekdote ist eines von vielen persönlichen Erlebnissen, die der Frontmann der „Travelling Playmates“ und von „Los Prolos“ im Haus der Diakonie in Fürth den 14 Hörern der Straßenkreuzer Uni erzählt. Was eine Band außer einer tollen Bühnenshow noch braucht? Einen Bandbus zum Beispiel, einen guten Namen, geeignete Auftrittsorte, richtige Gagen und am besten einen Plattenvertrag. Fans natürlich und Proben, vielleicht sogar eigene Songs. Ganz wichtig ist, notiert Bernd Galsterer als letzten Punkt: Mit den Kräften haushalten! Er hat inzwischen 30 Jahre Band-Erfahrung, hat vor 25 Leuten gespielt und vor mehreren Tausend. Es ist lange her, dass er vor einem Auftritt aufgeregt war: „Wenn man einen guten Abend erwischt und wirklich miteinander spielt, ist es ein Traum, auf der Bühne zu stehen.“


28.6.: Was bringt uns zum Schwingen?

Stunde der Freude heißt das Stück, das Matthias Ank als erstes anschlägt. Kräftig, angenehm, freudig schallt das Stück von Enrico Bossi durch die Lorenzkirche. Drei Instrumente – die Lorenzer Orgel mit mehr als 12.000 Pfeifen, die zwölf Tonnen schwere Laurentius- und die kleinere Stephanusorgel – kann der Lorenzkantor vom ebenerdigen Manual aus bedienen. 17 Hörer der Straßenkreuzer Uni lauschen: Was den Klang vom Geräusch unterscheidet, was Dur von Moll und wie weit der tiefste und der höchste Ton auseinander liegen. Sie hören, dass Komponisten auch Vogelstimmen in die Kirche holen und dass Bach ein Stück nur für die Füße geschrieben hat. Denn Organisten spielen mit Händen und Füßen, sie müssen buchstäblich alle Register ziehen. Die verleihen den Tönen verschiedene Farben, ganz wie beim Singen die Stimme. Das Wichtigste stellt Matthias Ank den wunderbaren Hörbeispielen voran: „Musik ist eine Sprache.“ Sie hat Melodie und Rhythmus, kennt Misstöne und zartes Säuseln – und wird auf der ganzen Welt verstanden.


24.6.2011: Führung durchs Stadttheater Fürth

Die Kraft der Kunst bringt Licht in die Dunkelheit, so sahen es die Erbauer des Stadttheaters Fürth und lassen die große Frauenfigur auf dem Dach deshalb Leier und Fackel tragen. Das erklärt Thomas Reher, der die Verwaltung und das Künstlerische Betriebsbüro leitet, als er die Theatergruppe der Straßenkreuzer Uni durch den imposanten Musentempel führt. Nach einem Spendenaufruf hatten Fürther Bürger in einer Woche ein Viertel der Baukosten gespendet, nach nur anderthalb Jahren Bauzeit wurde das Theater der Architekten Helmer und Fellner 1902 eröffnet. Im plüschroten Zuschauersaal fragen die Hörer: Wie sitzt das Orchester im Graben? (Unterschiedlich hoch nach Stück und Wunsch der Regie.) Was macht ein Inspizient? (Gibt bei der Vorstellung die Einsätze für Schauspieler, Beleuchtung und Musik.) Gibt es noch Souffleusen? (Ja, sie sitzen aber nicht mehr im Kasten sondern heute meist in der ersten Reihe.) Und der Intendant? Er ist für das gesamte Theater verantwortlich, also Schauspieler, Programm, Technik, Etat – und natürlich für die Zuschauerzahlen. Das Fürther Stadttheater wird von den Bürgern offensichtlich geliebt: Die Auslastung liegt bei 88 Prozent.


21.6.2011: Glücksgerichte kochen mit Jochen

„Das sind ja Balken!“ Jochen Banzhaf nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es ums Zwiebelschneiden geht. Also: Ein kleines, scharfes Messer holen und bitte fein würfeln. Dann wird die Zwiebel angeschwitzt und wandert in die Schüssel mit Hackfleisch, Sardellen, eingeweichten Semmeln und vier tüchtigen Eiern. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und gut durchkneten! Der gelernte Koch, der seine leckeren Rezepte in der Kolumne „Kochen mit Jochen“ im Straßenkreuzer veröffentlicht, hat sich für Königsberger Klopse entschieden. Die sind für viele der zehn Hörer der Straßenkreuzer per se ein Glücksgericht. Die Kartoffeln sind schon aufgesetzt, der grüne Salat wird gerade gerupft. Knapp eine Stunde dauert es, bis alle an der Tafel in der Heilsarmee Platz nehmen – und alles aufessen. Kein Sterbenswörtchen ist zu hören, nur das sachte Klimpern von Messern und Gabeln. Ein stilles Glück bei gutem Essen.
Das Rezept – finden Sie in der nächsten Ausgabe des Sozialmagazins Straßenkreuzer.


16.6.2011: Wie kommt’s zur Privatinsolvenz?

Der Pleitegeier ist kein Wesen aus der Biologie, sagt Professor Jürgen Stamm, der in Erlangen Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Insolvenzrecht lehrt. Weil ein Bankrott so schlimm ist – „grässlicher als der Tod“ nennt ihn Thomas Mann in den „Buddenbroks“ – kennt er viele Umschreibungen. Und es gibt ihn, seit Menschen Besitz haben und verlieren. Relativ neu ist, dass Gesetze regeln, wie mit Schuldnern umzugehen ist. Die gültige Insolvenzordnung trat 1999 in Kraft, berichtet Stamm vor 22 Hörern der Straßenkreuzer Uni in der Wärmestube. Zu ihr gehört die Verbraucherinsolvenz, die verschuldeten Menschen wieder ein Leben mit wirtschaftlicher Perspektive ermöglichen soll. 139.000 stellten im vergangenen Jahr einen solchen Antrag bei Gericht. Grob zusammengefasst: Nach einem außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern müssen die Schuldner ein Konzept für die Beilegung der Schulden vorlegen und sich sechs Jahre lang wohlverhalten (unter anderem Arbeit suchen, den pfändbaren Teil des Einkommens abzahlen). Dann können sie von der Restschuld befreit werden. Eine Idee, so  alt wie die Bibel. „Alle sieben Jahre sollst du ein Erlassjahr halten“, heißt es bei Mose.


9.6.2011: Glücksgerichte – mit OB Ulrich Maly

Eine betörende Kombination: Süße Rosinen, scharfe Pepperoncini und salzige Sardellen! Wenn Oberbürgermeister Ulrich Maly kocht, lässt er seiner Phantasie gern freien Lauf. Und die Hörer der Straßenkreuzer Uni, die in der Heilsarmee-Küche schnippeln und rühren, sind Feuer und Flamme für seine Rezepte. Nudeln gibt’s, denn die machen glücklich. Und zwei italienische Saucen. Die erste mit Thunfisch und dieser süß-scharf-salzigen Note, die zweite mit grünem Spargel. „Kann ich helfen, Herr Maly?“, fragt Straßenkreuzer-Verkäufer El Condore. Dann filettiert er die Hähnchenbrust, schön vorsichtig mit einer Hand auf dem Fleisch und dem scharfen Messer in der anderen. „Das sind Sachen, die kann man sich abschauen!“, findet Hörerin Inge Tusjak. Andere hacken Knoblauch und Petersilie, schneiden Parmaschinken in feine Streifen. Nudeln und Sauce schöpft der OB später aus dem großen Topf auf die Teller, gegessen wird gemeinsam an einer langen Tafel. „Spitzenmäßig“, finden die Teilnehmer, sie loben „sehr gutes Essen,  harmonische Gemeinschaft“ und spüren: Glück.

Rezept  für 4 – 6 Personen:
Tagliatelle mit Perlhuhn und grünem Spargel
1 Kilo grüner Spargel – schälen
800 g Perlhuhnbrust oder Hähnchenbrust – in dünne Streifen filettieren
1 Bund Frühlingszwiebeln – einen Großteil der grünen Spitzen entfernen, den zwiebeligen Teil in Streifen schneiden
1 Bund Petersilie – fein hacken
100 g Parmaschinken – in Streifen schneiden
Knoblauch nach Geschmack – fein gehackt
1 Becher Sahne, Salz, Pfeffer, Paprika, Olivenöl
600 Gramm Tagliatelle al uovo – Eiernudeln


Die Perlhuhnbrust in heißem Öl anbraten, kräftig würzen.
Knoblauch, Frühlingszwiebeln hinzugeben, dann Sahne und Spargel - etwa 10 bis 15 Minuten köcheln lassen.
Parmaschinken unterrühren, weitere drei Minuten garen.
Die in der Zwischenzeit gekochten Nudeln abgießen, auf Teller füllen und mit der leckeren Sauce beschöpfen. Guten Appetit!


31.5.2011: Wenn sich früher Schulden türmten

Der Todesstrafe ist Veit Stoß knapp entgangen. Auch der Blendung, die für den berühmten Bildschnitzer das Aus bedeutet hätte. Weil prominente Gönner ein gutes Wort für ihn einlegten, erklärt Martin Schieber von Geschichte für alle e.V., wurde er 1504 „nur“ gebrandmarkt. Was war passiert? Veit Stoß hatte im Amerikahandel spekuliert, alles Geld verloren und dann einen Schuldschein gefälscht. 1509 wurde er rehabilitiert und konnte den Engelsgruß in der Lorenzkirche schaffen. Ironie der Geschichte: Drei Jahrhunderte später verkaufte die hochverschuldete Stadt Nürnberg die Kette, die die Verkündigungsszene hielt, und ersetzte sie durch ein Hanfseil. Der Engelsgruß krachte herab und konnte nur mit Glück restauriert werden… Aber Martin Schieber erzählt den 24 Hörern der Straßenkreuzer Uni auch von kleinen Leuten. Sie verschuldeten sich, wenn nach Missernten der Brotpreis stieg und sie voraus gegebenen Lohn nicht zurückzahlen konnten. Dann wurden sie im Schuldturm an der Insel Schütt eingesperrt und kamen erst heraus, wenn ihre Familien das Geld aufbrachten.


24.5.2011: Raus aus den Schulden

Sie wollen in den Kopf: Gläubiger schreiben Mahnungen und schicken den Gerichtsvollzieher. Denn wer Schulden hat und Angst, sagt Michael Weinhold, versucht zurückzuzahlen. Auch wenn er gar nicht kann. Wie die Beispiel-Familie S., die der Leiter der Iska-Schuldnerberatungsstelle den 32 Hörern der Straßenkreuzer Uni vorstellt: Sie wirtschaftet schon in guten Zeiten knapp. 1500 Euro Monatseinkommen, 184 Euro Kindergeld, 76 Euro Wohngeld müssen für Vater, Mutter und Kind ausreichen. Dann verliert der Ernährer seine Arbeit… Was tun? fragt Weinhold in die Runde im Haus Großweidenmühle. Welche Ausgaben – Miete, Telefon, Auto – müssen auf jeden Fall bezahlt, welche können ausgesetzt werden? Lohnt es, mit der Bank zu verhandeln? Im Vortrag klärt der Schuldnerberater über Pfändungsgrenzen, Verhandlungsspielräume und die Eidesstattliche Versicherung auf. Am wichtigsten für Familie S.: Beratung suchen, einen neuen Arbeitsplatz finden – und sich keine Angst einjagen lassen.


23.5.2011: In den höchsten Tönen

Es geht um große Gefühle: Liebe, Verrat und Tod. Bis das Opern-Publikum in ihnen schwelgen kann, müssen die Nürnberger Philharmoniker und andere Bühnenschaffende viel leisten. Michael Saur, Assistent des Generalmusikdirektors, führte 25 Hörer der Straßenkreuzer Uni deshalb zuerst in die Musikbibliothek, wo Noten für alle Instrumente der jeweiligen Oper aufbewahrt werden. Dann ging’s über die Bühne, die gerade umgebaut wurde, ins  Kulissenlager – der Stacheldraht für „Carmen“ soll die Grenzerfahrungen ihres Lebens symbolisieren – und den vollgestopften Fundus. Michael Saur musste jede Menge Fragen beantworten: Wie dick muss eine Sängerin sein? (Eigentlich gar nicht.) In welcher Sprache werden Opern gesungen? (Im Original.) Wer spielt die erste Geige? (Der Konzertmeister, der den Dirigenten unterstützt.) Bei der Orchesterprobe von „Tosca“ konnten die Teilnehmer am Schluss die Nürnberger Philharmoniker bei der Arbeit beobachten und hören, wie Chefdirigent Christoph Prick an Tempo und Ausdruck feilt. Energischer soll das Orchester spielen, fordert er: jappapabamm, nicht ja-ba-bam.


20.5.2011: Vorhang auf!
Das Theaterprojekt von Straßenkreuzer Uni und Stadttheater Fürth

Dieses Flunder-Gefühl bitte mal richtig auskosten: Arme und Beine sind wohlig schwer, die Schultern locker und der Kopf ganz leicht. Die 19 Teilnehmer/innen des Straßenkreuzer Uni-Projekts „Vorhang auf!“ liegen entspannt auf dem Boden des Probenraums im Stadttheater Fürth, bevor sie die nächste Übung machen. Ein Luftballon soll zwischen Rücken und Rücken balanciert werden, dabei führt immer ein Partner und der andere lässt sich führen. Gar nicht so einfach, warnt Schauspielerin und Trainerin Michaela Domes, aber ganz wichtig! Um ein Gefühl für sich, für die anderen und den Raum zu bekommen. Es geht also schon um Bühnenpräsenz,  obwohl es noch kein Stück gibt. Auch die – in Kooperation mit den Fürther Theatermachern geplante – Aufführung ist noch weit entfernt. Dennoch trainieren die künftigen Darsteller bei den sieben Terminen in diesem Sommersemester, locker zu sein körperlich und doch gespannt. Offensichtlich kein Problem: Wer die Flunder gespürt hat, kann seine Arme fliegen lassen.


17.5.2011: Das Glück der ersten Menschen

Seit Menschen denken können, sagt Tobias Springer, schaffen sie Dinge, mit denen sie ihr Leben besser gestalten können. Faustkeile etwa, kleine Bohrer für Leder oder die Gefäße der Schnurkeramik. Wer ein solches Stück schuf, sagt der Leiter der Abteilung Vor- und Frühgeschichte am Germanischen Nationalmuseum vor 22 Hörern der Straßenkreuzer Uni, der war sicher glücklich. Aber woher wissen die Archäologen, ob die ersten Menschen – der Neandertaler lebte 160.000 vor Christus, der moderne Mensch tauchte vor 35.000 Jahren auf – Glück kannten? Sie lesen es aus Gräbern, in denen Beigaben wie Schmuck oder die Körperhaltung der Toten auf die Idee des Weiterlebens deuten. Oder sie interpretieren Glücksfunde wie den Goldkegel von Ezelsdorf-Buch: 310 Gramm Gold, zu einem 88 Zentimeter hohen Hut getrieben. In seinen magischen Verzierungen ist ein Sonnenkalender versteckt. Nur dann, wenn die Saat rechtzeitig ausgebracht wurde, die Sonne schien und Regen kam, gab es reiche Ernte. Ein großes Glück, das das Überleben sicherte.


11.5.2011: Spezial „Wovor fürchten sich die großen Tiere?“

Die Frauen haben’s leicht: Auf einen Blick können Pfauenfrauen erkennen, wie viele Augen ein Hahn in seinem Rad schlägt. „Bis zu 140“, weiß Helmut Mägdefrau. Der stellvertretende Leiter des Nürnberger Tiergartens berichtet bei der Führung für die Straßenkreuzer Uni auch von Teichmolchen. Bei ihnen sitzen die Damen entspannt am Ufer und warten, welches Männchen unter Wasser am längsten die Luft anhalten kann! Doch nicht alles ist einfacher für Tiere. Nahrung ist in freier Wildbahn oft rar, das Verlassen des Reviers extrem riskant und neben Freßfeinden sind Artgenossen eine echte Bedrohung. Bei den Nashörnern beispielsweise stirbt ein Viertel durch Rivalenkämpfe, bei den Gorillas töten starke Männchen den Nachwuchs ihrer Vorgänger – über zehn Prozent des Bestandes. „Dass wir in Hamburg aus der Bahn steigen können und nicht verprügelt werden, ist eine kulturelle Leistung“, sagt Mägdefrau. Über eine Stunde erzählt er 29 gebannten Hörern von nervösen Giraffen, vorsichtigen Totenkopfäffchen und liebeshungrigen Pavianen – und den Parallelen zum Menschen. Denn das Tier steckt immer noch in uns: Frauen können in Millisekunden riechen, ob ein Mann (genetisch) zu ihnen passt. 


9.5.2011 – Glücksgerichte: Orientalisch

Was da duftet? Das scharf gewürzte Gemüse, frittiertes Hähnchen und das samtige Couscous – alles zusammen. Drei Rezepte hatte Ute Strait-Aouichi für die Straßenkreuzer Uni zum orientalischen Glücksgericht der Straßenkreuzer Uni komponiert: Einen Salat aus Palästina mit Tomaten und viiiel Petersilie, einen Auflauf mit Kartoffeln und Couscous aus Tunesien. Vor dem Essen hieß es für die Teilnehmer: Kräuter wiegen, Zwiebeln würfeln, Hähnchen schneiden. Was es mit dem Verbot von Alkohol und Schweinefleisch für Muslime auf sich hat, erklärten Ute Strait-Aouichi, Hela Ktari und Hala Hammoud ganz nebenbei. Die Frauen gehören der Islamischen Gemeinde Nürnberg an, nach dem Essen führten sie in die Moschee in der Hessestraße und berichteten über ihre Glaubensvorstellungen und Gebote. Wie für Christen gibt es auch für Muslime nur einen Gott. Ihm danken sie vor jedem Essen: „Bismillah arrahman arrahim“ – im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alle Rezepte zum Nachkochen (pdf)


4.5.2011: Was ist Glück?

Halb voll oder halb leer? Das sei eine Frage der Interpretation, sagt Andrea Abele-Brehm. Beim Wasserglas genauso wie beim Glück. Auf vieles, was von außen kommt – Geld, Arbeit, Beziehungen – haben wir keinen großen Einfluss. Doch die Professorin für Sozialpsychologie von der Universität Erlangen-Nürnberg kann trösten: Wie wir es einordnen, ist zum großen Teil unsere Sache.  Den 55 Hörern, die zum Auftakt des dritten Semesters der Straßenkreuzer Uni ins Südstadtforum gekommen waren, hatte sie zunächst sehr anschaulich die Unterschiede zwischen Glück haben und glücklich sein erläutert, dann den Anteil des Temperaments (allenfalls 50 Prozent) und die Bedeutung eigener Aktivität hervorgehoben. Zum Schluss verriet sie zehn Zutaten ihres Glücksrezepts:  Pflegen Sie die Beziehungen zu Familie und Freunden. Zeigen Sie anderen Ihre Wertschätzung. Suchen Sie sich eine Herausforderung. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Geben Sie Ihrer Zeit einen Sinn. Helfen Sie anderen. Genießen sie den Augenblick. Üben Sie Gelassenheit. Führen Sie ein Glückstagebuch. Machen Sie eine gute Miene – denn jedes Lächeln strahlt nach innen zurück. Nach außen ja sowieso. 




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